|
Berlin 1925. Man bereitet den ersten Zille-Ball
vor. Um über den Namensgeber ein Feuilleton
zu schreiben, besucht ein Journalist den greisen
Zille. Seine Geschichte beginnt rückblickend
mit dem Tag des Jahres 1907 als ihm und seinem Freund
Gustav Nogler nach 30 Jahren Anstellung vom Prokuristen
der "Photografischen Gesellschaft", Hübel,
gekündigt wird. Für beide beginnt eine
schwere Zeit, denn ihre Familien brauchen den Wochenlohn
zum Überleben. Zille, dem Hübel vorwirft
zu sozialistisch zu denken, muss sich und seine
Frau Hulda von nun an mit seinen Zeichnungen aus
dem Armenmilieu ernähren. Nogler hofft auf
eine staatliche Anstellung als Zeichenlehrer. Doch
als "Friedens"-Invalide ist er für
den Staatsdienst untauglich. Er beantragt auf Zilles
Rat hin eine Rente, da ihm als Soldat seine Verletzung
mutwillig zugefügt wurde. Als ihn seine Frau
Lena verlässt, weil ihr Mann gegen den Staat,
den sie heilig wähnt, geklagt hat, nimmt sich
Nogler das Leben. Von den Zilles will Lena nie wieder
etwas hören.
Zilles Zeichnungen stoßen zuerst bei denen,
die er porträtiert, auf Ablehnung - wer will
sich schon am Rande der Gesellschaft dokumentiert
wissen! Die Reichen, auch Hübel, sehen in ihnen
eine zukünftige, lukrative Geschäftsanlage.
Viele Jahre später, im letzten Kriegsjahr 1918.
Lena Nogler hat ihren Sohn Willi an der Front verloren.
"Radieschen", einst Straßenmädchen,
jetzt Hilfspostbotin, bringt es nicht fertig, der
verhärmten Frau den Feldbrief zu übergeben.
Und wieder gehen Jahre ins Land. Die Inflation hat
Deutschland erschüttert. Zille ist jetzt Witwer.
Seine Zeichnungen sind inzwischen anerkannt, man
stellt sie sogar in der Berliner Nationalgalerie
aus und man hofiert ihn, seit er zum Professor ernannt
wurde. Doch sein Herz und seine Fürsorge gelten
nach wie vor denen, die nicht wissen, wie sie sich
oder ihre Familien über die Runden bringen
sollen. Als Hübler, inzwischen Kommerzienrat,
seiner mondänen Frau ein Zille-Ball-Kostüm
vom Meister persönlich entwerfen lässt,
skizziert Zille Frau Nogler so, wie er ihr nach
Jahren in seiner alten Lieblingskneipe "Zum
Nussbaum" wieder begegnet war: blind und zerlumpt.
Das Honorar soll ihr eine Augenoperation ermöglichen.
Es ist das Ende seiner Geschichte, der Journalist
ratlos. Zilles Kommentar: Schreiben Sie, dass ich
Heinrich heiße und Bilder male. Lebensstationen
und Werk des Heinrich Zille, bedeutendster Karikaturist
des Berliner Arbeitermilieus des 20. Jahrhunderts,
werden zum Spiegelbild seiner Zeit.
|