|
Es war einmal eine Witwe, die hatte zwei Töchter.
Davon war die eine schön und fleißig,
die andere hässlich und faul. Aber die faule,
weil es ihre rechte Tochter war, hatte sie viel
lieber. Und die andere musste die Arbeit tun. Das
"Herzenskind" der Mutter schlief bis in
den hellen Tag hinein, ließ sich das Essen
am Bett servieren. Und wenn sie nicht gleich alle
Wünsche erfüllt bekam, stampfte sie mit
den Füßen und schrie: "Ich will,
ich will!". Den ganzen Tag kommandierte sie
die Schwester herum, die zum Dank nur Schelte bekam.
Trotz allem war Marie freundlich und fröhlich.
Selbst nach des Tages Mühe, wenn sie noch spinnen
musste, sang sie bei der Arbeit. Bis ihr die Spule
in den Brunnen fiel. Aufgeregt und ängstlich
gestand sie der Mutter ihr Missgeschick. Doch die
antwortet hartherzig: "Hast du die Spule herunterfallen
lassen, so hol sie auch wieder hinauf." In
ihrer Not sprang Marie in den tiefen Brunnen.
Das Mädchen erwachte auf einer wunderschönen
Wiese, über die sie staunend wanderte. Da hörte
sie Stimmen aus einem Backofen. Marie holte die
knusprigen Brote heraus. Ebenso schüttelte
sie den Baum mit reifen Äpfeln, die nach ihrer
Hilfe verlangten. Bei all ihrem Tun beobachtete
eine alte Frau das Mädchen und hieß es
herzlich in ihrem Haus willkommen. Fortan lebte
Marie bei der Frau Holle, half ihr beim Kochen,
Waschen, Stuben säubern. Aber vor allem schüttelte
sie jeden Tag kräftig die Betten, dass die
Federn flogen. Dann schneite es auf der Erde. Obwohl
Marie es so gut bei Frau Holle hatte, bekam sie
Heimweh. Zum Dank für ihren Fleiß überschüttete
Frau Holle das Mädchen mit einem Goldregen.
Leuchtend vor Schönheit kehrte Goldmarie nach
Hause zurück. Sofort machte sich die Faule
auf den Weg, die voller Neid ebenfalls ihr Glück
bei Frau Holle versuchen wollte...
|