Pension Boulanka

Spielfilm DDR 1964
Regie Helmut Krätzig
Drehbuch Kurt Bortfeldt und Helmut Krätzig, frei nach dem Roman "Künstlerpension Boulanka" von Fritz Erpenbeck
Musik Wolfgang Pietsch
Kamera Hans Heinrich
Darsteller Emmi Boulanka - Erika Pelikowsky
Frau Sievers - Christine Laszar
Zauberer Colanta - Herbert Köfer
Jan Gruyter - Peter Herden
Clown Ulf - Herwart Grosse
Hauptmann Brückner - Horst Weinheimer
Oberleutnant Becker - Harry Pietzsch
Leutnant Lorenz - Ingolf Gorges
Gina - Bärbel Bolle
Alti - Karin Schröder
Frau Böhme - Agnes Kraus
und andere

Ostberlin in den 1960er-Jahren. Emmi Boulanka ist der gute Geist der Künstlerpension Boulanka. Die meisten ihrer Gäste sind Artisten, die für eine Revue proben. Mit dem sehr selbstbewussten Belgier Jan Gruyter kommt ein neuer Gast, den Frau Boulanka gut kennt und den die meisten Mitbewohner mit großem Argwohn beäugen. Wenig später - die Revue hat Premiere - wird Gruyter von Frau Boulanka in seinem Zimmer erdrosselt aufgefunden. Hauptmann Brückner übernimmt die Ermittlungen, die sich alles andere als einfach gestalten, denn nach der Obduktion steht fest, dass Gruyter mit dem seltenen Gift von Kugelfischen getötet wurde, die Wäscheleine war nur ein Täuschungsmanöver.

Brückner stößt bei den Artisten auf wenig Auskunftsbereitschaft, keiner von ihnen ist an der Aufklärung des Mordes interessiert. Im Gegenteil, fast jeder der Pensionsgäste scheint ein Tatmotiv zu haben. Da ist zunächst die junge Lore Hansen, die Gruyter von einem Engagement in Magdeburg kennt und die sich das Leben nehmen wollte, oder der Zauberer Colanta, der Gruyter verfolgt und später der Polizei erzählt, dass Gruyter 1942 in Paris als SS-Spitzel in der Artistentruppe seiner Familie gearbeitet und Colantas Eltern und Geschwister auf dem Gewissen hat. Auch der Clown Ulf mag den Mann nicht, ebenso wenig wie der Artist Hans Wolter, dem Gruyter Geld schuldet und der von ihm mit gültigem Vertrag in Magdeburg einfach sitzengelassen wurde. Dann gibt es noch Frau Päschke, eine ehemalige Artistin, die mehrere lautstarke Auseinandersetzungen mit Gruyter hatte. Aus all den Puzzleteilen zeichnet sich schließlich der skrupellose Charakter des Toten ab, doch keine Spur führt zum Mörder. Ein unauffälliger Schlüsselabdruck im Seifenkästchen des Toten gibt Hauptmann Brückner dann den entscheidenden Hinweis.

Helmut Krätzigs 1964 gedrehter Spielfilm nach dem Roman von Fritz Erpenbeck "Künstlerpension Boulanka" kennzeichnet die Bemühungen der DEFA in den frühen 1960er-Jahren, das publikumswirksame Genre des Kriminalfilms neu zu beleben. Die Spannung erwächst aus dem Geflecht der Figuren, die fast alle etwas zu verbergen haben; die Tätersuche erfolgt nach klassischen dramaturgischen Mustern. Hervorzuheben ist auch das spielfreudige Ensemble, das bis in die kleinsten Nebenrollen mit prominenten Darstellern nicht nur jener Zeit besetzt ist.

An zwei Schauspieler will das MDR FERNSEHEN mit der Ausstrahlung von "Pension Boulanka" besonders erinnern: An Agnes Kraus, deren 100. Geburtstag sich am 16. Februar 2011 jährte, und an Herbert Köfer, der am 17. Februar 2011 seinen 90. Geburtstag beging. Der Volksschauspieler steht heute noch gern auf der Bühne, besonders gern auf der eigenen: auf "Köfers Komödiantenbühne", die er mit 82 Jahren mit seiner Frau Heike gründete. In mehr als 80 Filmen und Fernsehspielen, Schwänken, Familienserien und Krimis hat er mitgewirkt. "Rentner haben niemals Zeit", "Familie Neumann" oder "Geschichten übern Gartenzaun" gehörten zu seinen erfolgreichsten Serien. Nach der Wende hat er geschafft, was nicht jedem seiner Schauspielkollegen gelang: Seine "zweite Karriere" im wiedervereinten Deutschland begann er am West-Berliner Hansa-Theater in dem Stück "Rosen-Emil". Danach verpflichtete Rolf von Sydow den Schauspieler für die Fernsehserie "Auto Fritze", auch in "MS Königstein", der Erbstreit-Geschichte "Elbflorenz" sowie in "In aller Freundschaft" war er zu sehen. Heute ist der Volksschauspieler eine Instanz im gesamtdeutschen Fernsehen.
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved