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Ostberlin in den 1960er-Jahren. Emmi Boulanka ist
der gute Geist der Künstlerpension Boulanka.
Die meisten ihrer Gäste sind Artisten, die
für eine Revue proben. Mit dem sehr selbstbewussten
Belgier Jan Gruyter kommt ein neuer Gast, den Frau
Boulanka gut kennt und den die meisten Mitbewohner
mit großem Argwohn beäugen. Wenig später
- die Revue hat Premiere - wird Gruyter von Frau
Boulanka in seinem Zimmer erdrosselt aufgefunden.
Hauptmann Brückner übernimmt die Ermittlungen,
die sich alles andere als einfach gestalten, denn
nach der Obduktion steht fest, dass Gruyter mit
dem seltenen Gift von Kugelfischen getötet
wurde, die Wäscheleine war nur ein Täuschungsmanöver.
Brückner stößt bei den Artisten
auf wenig Auskunftsbereitschaft, keiner von ihnen
ist an der Aufklärung des Mordes interessiert.
Im Gegenteil, fast jeder der Pensionsgäste
scheint ein Tatmotiv zu haben. Da ist zunächst
die junge Lore Hansen, die Gruyter von einem Engagement
in Magdeburg kennt und die sich das Leben nehmen
wollte, oder der Zauberer Colanta, der Gruyter verfolgt
und später der Polizei erzählt, dass Gruyter
1942 in Paris als SS-Spitzel in der Artistentruppe
seiner Familie gearbeitet und Colantas Eltern und
Geschwister auf dem Gewissen hat. Auch der Clown
Ulf mag den Mann nicht, ebenso wenig wie der Artist
Hans Wolter, dem Gruyter Geld schuldet und der von
ihm mit gültigem Vertrag in Magdeburg einfach
sitzengelassen wurde. Dann gibt es noch Frau Päschke,
eine ehemalige Artistin, die mehrere lautstarke
Auseinandersetzungen mit Gruyter hatte. Aus all
den Puzzleteilen zeichnet sich schließlich
der skrupellose Charakter des Toten ab, doch keine
Spur führt zum Mörder. Ein unauffälliger
Schlüsselabdruck im Seifenkästchen des
Toten gibt Hauptmann Brückner dann den entscheidenden
Hinweis.
Helmut Krätzigs 1964 gedrehter Spielfilm nach
dem Roman von Fritz Erpenbeck "Künstlerpension
Boulanka" kennzeichnet die Bemühungen
der DEFA in den frühen 1960er-Jahren, das publikumswirksame
Genre des Kriminalfilms neu zu beleben. Die Spannung
erwächst aus dem Geflecht der Figuren, die
fast alle etwas zu verbergen haben; die Tätersuche
erfolgt nach klassischen dramaturgischen Mustern.
Hervorzuheben ist auch das spielfreudige Ensemble,
das bis in die kleinsten Nebenrollen mit prominenten
Darstellern nicht nur jener Zeit besetzt ist.
An zwei Schauspieler will das MDR FERNSEHEN mit
der Ausstrahlung von "Pension Boulanka"
besonders erinnern: An Agnes Kraus, deren 100. Geburtstag
sich am 16. Februar 2011 jährte, und an Herbert
Köfer, der am 17. Februar 2011 seinen 90. Geburtstag
beging. Der Volksschauspieler steht heute noch gern
auf der Bühne, besonders gern auf der eigenen:
auf "Köfers Komödiantenbühne",
die er mit 82 Jahren mit seiner Frau Heike gründete.
In mehr als 80 Filmen und Fernsehspielen, Schwänken,
Familienserien und Krimis hat er mitgewirkt. "Rentner
haben niemals Zeit", "Familie Neumann"
oder "Geschichten übern Gartenzaun"
gehörten zu seinen erfolgreichsten Serien.
Nach der Wende hat er geschafft, was nicht jedem
seiner Schauspielkollegen gelang: Seine "zweite
Karriere" im wiedervereinten Deutschland begann
er am West-Berliner Hansa-Theater in dem Stück
"Rosen-Emil". Danach verpflichtete Rolf
von Sydow den Schauspieler für die Fernsehserie
"Auto Fritze", auch in "MS Königstein",
der Erbstreit-Geschichte "Elbflorenz"
sowie in "In aller Freundschaft" war er
zu sehen. Heute ist der Volksschauspieler eine Instanz
im gesamtdeutschen Fernsehen.
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