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Der alternde englische Literaturprofessor Humbert
Humbert kommt zu Vorlesungen in die USA. Für
einen Erholungsurlaub vor dem Beginn seiner Arbeit
quartiert er sich im Badeort Ramsdale bei der lebensfrohen
Witwe Charlotte Haze ein. Ihre frühreife 15-jährige
Tochter Dolores, genannt Lolita, zieht ihn sogleich
in den Bann. Um in ihrer Nähe sein zu können,
lässt sich Humbert auf das Liebeswerben der
Mutter ein und heiratet sie. Lolita ignoriert allerdings
Humberts mehr als väterliches Interesse. Während
sie in einem Ferienlager ist, entdeckt ihre Mutter
in Humberts Tagebüchern seine wahren Motive.
Betrunken stürzt sie auf die Straße und
wird überfahren.
Humbert holt Lolita aus dem Ferienlager, verschweigt
ihr den Tod der Mutter und geht mit ihr auf eine
lange Reise durch Amerika, von Motel zu Motel. Eines
Tages ist es Lolita, die den überraschten Humbert
verführt. Doch diese Romanze ist nur von kurzer
Dauer. Humberts maßlose Eifersucht führt
immer öfter zu Streitigkeiten, die noch zunehmen,
als er sich mit ihr in der Universitätsstadt
Beardsley niederlässt. Nachdem sich die Gerüchte
über Humberts Liaison mit seiner Stieftochter
nicht länger ignorieren lassen, geht er mit
ihr wieder auf Reisen. Er hat Lolita gerade wegen
einer schweren Grippe in einem Krankenhaus eingeliefert,
als ihm ein Unbekannter eine Untersuchung seines
Liebeslebens androht. Humbert will Lolita aus der
Klinik holen, doch sie ist verschwunden. Drei Jahre
später erhält er einen Brief von ihr.
Sie ist mit dem bescheidenen Dick verheiratet und
schwanger. Humbert soll ihr Geld für einen
neuen Anfang schicken. Lolita offenbart ihm, dass
sie immer nur den angeblichen Dichter Clare Quilty
geliebt habe, der ihnen in wechselnder Verkleidung
auf ihrer Flucht von Motel zu Motel gefolgt sei.
Humbert ist entschlossen, sich für diesen Betrug
zu rächen ....
Etwa fünf Jahre nach dem Skandalerfolg seines
Romans "Lolita" (1955) schrieb der russisch-amerikanische
Schriftsteller Vladimir Nabokov (1899-1977) das
Drehbuch zu dem Film über eine minderjährige
Nymphe. Dem Regie-Perfektionisten Stanley Kubrick
(1928-1999) gelang eine atmosphärisch dichte
Verfilmung. Mit satirischem Witz und emotionalem
Pathos illustriert er die tragikomische Geschichte
einer verbotenen Liebe. Er drehte den Film in England,
um den strengen US-Zensurbestimmungen zu entkommen,
und setzte Lolitas Alter von zwölf auf 15 Jahre
herauf. Nabokov lobte den Regisseur: Obwohl Kubrick
nur ein Fünftel seines Drehbuchs verwandt habe,
sei "Lolita" ein erstklassiger Film mit
wundervollen Darstellern geworden. Heute vor zehn
Jahren ist er gestorben - Stanley Kubrick, der als
der außergewöhnlichste und eigensinnigste
Regisseur des 20. Jahrhunderts gilt. Mit seinem
Schaffen hat er die Möglichkeiten des Films
grundlegend erweitert und neue Maßstäbe
gesetzt. Er war legendär für seinen Perfektionismus
und seine Aufmerksamkeit für jedes Detail.
Zu seinen bekanntesten Filmen gehören u.a.
"Spartacus" (1960), "Lolita"
(1962), "2001 - Odyssee im Weltraum" (1965),
"Uhrwerk Orange" (1970) und sein letztes
Werk "Eyes Wide Shut" (1999). Stanley
Kubrick wurde 1928 als Sohn eines New Yorker Arztes
österreichisch-jüdischer Herkunft geboren.
Bereits mit 14 arbeitete er bei der Zeitschrift
"Look" als Fotoreporter.
Über das Museum of Modern Art entdeckte er
seine Liebe zum Kino und drehte 1951 drei kurze
Dokumentarfilme. Seine ersten beiden Spielfilme
"Fear and Desire" und "Der Tiger
von New York" erregten schon die Aufmerksamkeit
Hollywoods, mit "Wege zum Ruhm" (1957)
gelang ihm der endgültige Durchbruch. Mit 32
Jahren drehte er 1960 "Spartacus", wobei
es ihn sehr ärgerte, dass er zu wenig Einfluss
auf seine Arbeit hatte. Das sollte ihm nie wieder
passieren. Er verließ das System Hollywood
- letztlich auch sehr konkret, in den frühen
1960er Jahren zog er mit seiner Familie nach England
aufs Land, wo er sehr zurückgezogen lebte.
Insgesamt drehte er 13 Filme, an denen er jeweils
sehr lange arbeitete. 1997, zwei Jahre vor seinem
Tod, erhielt Stanley Kubrick zwei der höchsten
Ehrungen der Filmwelt für sein Lebenswerk:
den D. W. Griffith Award der "Director's Guild
of America" und den "Goldenen Löwen"
der 54. Internationalen Filmfestspiele in Venedig.
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