Lolita

Spielfilm aus Großbritannien von 1962
Regie Stanley Kubrick
Drehbuch Vladimir Nabokov, nach seinem gleichnamigen Roman
Musik Nelson Riddle
Kamera Oswald Morris
Darsteller Humbert Humbert - James Mason
Dolores Haze, "Lolita" - Sue Lyon
Charlotte Haze - Shelley Winters
Clare Quilty - Peter Sellers
Vivian Darkbloom - Marianne Stone
Jean Farlow - Diana Decker
John Farlow - Jerry Stovin
Dick - Gary Cockrell
Schwester Mary Lord - Lois Maxwell
Mona Farlow - Suzanne Gibbs
u. a.

Der alternde englische Literaturprofessor Humbert Humbert kommt zu Vorlesungen in die USA. Für einen Erholungsurlaub vor dem Beginn seiner Arbeit quartiert er sich im Badeort Ramsdale bei der lebensfrohen Witwe Charlotte Haze ein. Ihre frühreife 15-jährige Tochter Dolores, genannt Lolita, zieht ihn sogleich in den Bann. Um in ihrer Nähe sein zu können, lässt sich Humbert auf das Liebeswerben der Mutter ein und heiratet sie. Lolita ignoriert allerdings Humberts mehr als väterliches Interesse. Während sie in einem Ferienlager ist, entdeckt ihre Mutter in Humberts Tagebüchern seine wahren Motive. Betrunken stürzt sie auf die Straße und wird überfahren.

Humbert holt Lolita aus dem Ferienlager, verschweigt ihr den Tod der Mutter und geht mit ihr auf eine lange Reise durch Amerika, von Motel zu Motel. Eines Tages ist es Lolita, die den überraschten Humbert verführt. Doch diese Romanze ist nur von kurzer Dauer. Humberts maßlose Eifersucht führt immer öfter zu Streitigkeiten, die noch zunehmen, als er sich mit ihr in der Universitätsstadt Beardsley niederlässt. Nachdem sich die Gerüchte über Humberts Liaison mit seiner Stieftochter nicht länger ignorieren lassen, geht er mit ihr wieder auf Reisen. Er hat Lolita gerade wegen einer schweren Grippe in einem Krankenhaus eingeliefert, als ihm ein Unbekannter eine Untersuchung seines Liebeslebens androht. Humbert will Lolita aus der Klinik holen, doch sie ist verschwunden. Drei Jahre später erhält er einen Brief von ihr. Sie ist mit dem bescheidenen Dick verheiratet und schwanger. Humbert soll ihr Geld für einen neuen Anfang schicken. Lolita offenbart ihm, dass sie immer nur den angeblichen Dichter Clare Quilty geliebt habe, der ihnen in wechselnder Verkleidung auf ihrer Flucht von Motel zu Motel gefolgt sei. Humbert ist entschlossen, sich für diesen Betrug zu rächen ....

Etwa fünf Jahre nach dem Skandalerfolg seines Romans "Lolita" (1955) schrieb der russisch-amerikanische Schriftsteller Vladimir Nabokov (1899-1977) das Drehbuch zu dem Film über eine minderjährige Nymphe. Dem Regie-Perfektionisten Stanley Kubrick (1928-1999) gelang eine atmosphärisch dichte Verfilmung. Mit satirischem Witz und emotionalem Pathos illustriert er die tragikomische Geschichte einer verbotenen Liebe. Er drehte den Film in England, um den strengen US-Zensurbestimmungen zu entkommen, und setzte Lolitas Alter von zwölf auf 15 Jahre herauf. Nabokov lobte den Regisseur: Obwohl Kubrick nur ein Fünftel seines Drehbuchs verwandt habe, sei "Lolita" ein erstklassiger Film mit wundervollen Darstellern geworden. Heute vor zehn Jahren ist er gestorben - Stanley Kubrick, der als der außergewöhnlichste und eigensinnigste Regisseur des 20. Jahrhunderts gilt. Mit seinem Schaffen hat er die Möglichkeiten des Films grundlegend erweitert und neue Maßstäbe gesetzt. Er war legendär für seinen Perfektionismus und seine Aufmerksamkeit für jedes Detail. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören u.a. "Spartacus" (1960), "Lolita" (1962), "2001 - Odyssee im Weltraum" (1965), "Uhrwerk Orange" (1970) und sein letztes Werk "Eyes Wide Shut" (1999). Stanley Kubrick wurde 1928 als Sohn eines New Yorker Arztes österreichisch-jüdischer Herkunft geboren. Bereits mit 14 arbeitete er bei der Zeitschrift "Look" als Fotoreporter.

Über das Museum of Modern Art entdeckte er seine Liebe zum Kino und drehte 1951 drei kurze Dokumentarfilme. Seine ersten beiden Spielfilme "Fear and Desire" und "Der Tiger von New York" erregten schon die Aufmerksamkeit Hollywoods, mit "Wege zum Ruhm" (1957) gelang ihm der endgültige Durchbruch. Mit 32 Jahren drehte er 1960 "Spartacus", wobei es ihn sehr ärgerte, dass er zu wenig Einfluss auf seine Arbeit hatte. Das sollte ihm nie wieder passieren. Er verließ das System Hollywood - letztlich auch sehr konkret, in den frühen 1960er Jahren zog er mit seiner Familie nach England aufs Land, wo er sehr zurückgezogen lebte. Insgesamt drehte er 13 Filme, an denen er jeweils sehr lange arbeitete. 1997, zwei Jahre vor seinem Tod, erhielt Stanley Kubrick zwei der höchsten Ehrungen der Filmwelt für sein Lebenswerk: den D. W. Griffith Award der "Director's Guild of America" und den "Goldenen Löwen" der 54. Internationalen Filmfestspiele in Venedig.
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved