Nora

Spielfilm GB/Frankreich 1973
Regie Joseph Losey
Drehbuch David Mercer, nach dem Theaterstück "Et dukkehjem" von Henrik Ibsen
Musik Michel Legrand
Kamera Gerry Fisher
Darsteller Nora Helmer - Jane Fonda
Nils Krogstadt - Edward Fox
Dr. Gunnar Rank - Trevor Howard
Torvald Helmer - David Warner
Kristine Linde - Delphine Seyrig
Olssen - Pierre Oudrey
Anne-Marie, Kinderfrau - Anna Wing
Haushälterin bei Rank - Ingrid Natrud
und andere

Norwegen, Ende des 19. Jahrhunderts. Während Nora ihren Torvald Helmer heiratet, gibt ihre Freundin Kristine ihrer großen Liebe Nils Krogstadt einen Korb. Sie muss einen vermögenden Mann heiraten, um ihre verwitwete Mutter und die Geschwister zu versorgen. Nora zieht mit Torvald in die Großstadt. Wenig später erkrankt Torvald und der befreundete Arzt Dr. Rank erklärt Nora, die mit ihrem ersten Kind schwanger ist, dass nur eine Kur im Süden Torvald heilen kann. Nora beschließt, ihrem eigensinnigen Mann weder zu sagen, wie es um ihn steht, noch zu erklären, dass sie das Geld für die Italienreise bei Krogstadt geliehen hat - mit der gefälschten Unterschrift ihres Vaters, der kurz zuvor verstorben ist. Fast acht Jahre später, zur Weihnachtszeit: Das Glück der Helmers scheint perfekt. Sie haben drei Kinder, lieben sich immer noch und im neuen Jahr soll Torvald seinen Posten als Bankdirektor antreten.

Jugendfreundin Kristine, inzwischen verwitwet und auf Suche nach Arbeit, kommt zu Besuch. Und auch Krogstadt, der seit Jahren in untergeordneter Position in der Bank arbeitet, erscheint im Hause Helmer. Er bittet Torvald, mit dem er einst in die Schule ging, um eine besser bezahlte Anstellung, muss er sich doch, nachdem ihm die Frau davonlief, um zwei kleine Kinder kümmern. Doch Torvald ist empört ob des Ansinnens, zumal Krogstadt vor Jahren wegen einer Unterschriftenfälschung strauchelte. Er beschließt, Krogstadt zu entlassen und Kristine dafür einzustellen.

Krogstadt ahnt, dass er einen folgenschweren Fehler begangen hat. Er sieht keine andere Möglichkeit, als Nora mit dem Schuldschein zu erpressen. Sie soll ihren Mann dazu bringen, ihn nicht zu entlassen. Doch Nora stößt bei Torvald auf taube Ohren. In ihrer Not vertraut sie sich ihrer Freundin Kristine an, auch bei Dr. Rank sucht sie Hilfe. Doch er - schwerkrank - gesteht ihr stattdessen seine Liebe. So wird für Nora die Situation immer prekärer, zumal Helmer in der Zwischenzeit Krogstadt die Kündigung geschickt und Krogstadt seinerseits die Nachricht von der Existenz des Schuldscheins mit der gefälschten Unterschrift in Helmers Briefkasten befördert hat. Da hilft es auch nicht, dass ihn Kristine in der Zwischenzeit zum Einlenken überredet hat, aber das wird sich erst später herausstellen. Für Nora tickt die Uhr: Eine kurze Zeit kann sie es noch herausschieben, bis ihr Mann den Brief entdeckt. Sie absolvieren den Maskenball, auf dem Nora auf Torvalds Wunsch tanzt, denn natürlich sollen alle seine attraktive Frau bewundern. Zu Hause angekommen, findet Torvald den Brief. Hat er Nora eben noch "seinen wertvollsten Besitz" genannt, schreit er sie nun gnadenlos nieder, bezichtigt sie der Zerstörung seiner Zukunft und droht, ihr die Erziehung der Kinder aus der Hand zu nehmen. Wie ein kleines Kind schickt er seine Frau auf ihr Zimmer. Als wenig später der Schuldschein eintrifft, ist für Torvald die Welt wieder in Ordnung - aber nicht für Nora. Sie hat begriffen, welche Rolle sie in diesem Haus - dem "Puppenheim" - spielt und verlässt Mann und Kinder.

"Eine meisterliche Literaturverfilmung", urteilt das "Lexikon des internationalen Films" über diese Version von Henrik Ibsens berühmtestem Drama "Nora oder Das Puppenheim". Joseph Losey schuf diese einfühlsame, dennoch unpathetische Inszenierung eines Klassikers der Frauenemanzipation 1973. In der Hauptrolle glänzt Jane Fonda, zu jener Zeit selbst eine schillernde Figur des politischen Protestes. Ibsens Drama wurde am 21. Dezember 1879 im Königlichen Theater in Kopenhagen uraufgeführt, seine deutsche Erstaufführung erlebte das Stück am 6. Februar 1880 in Flensburg. Allerdings musste das Ende geändert werden: Nora bleibt in der Ehe und bei ihren Kindern. Nach Protestaktionen gegen die Verfälschung des Werkes wurde das Stück dann am 3. März 1880 in München in der unzensierten und unveränderten Fassung gespielt.
   

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