|
Das Kaninchen bin ich
|
|
Spielfilm
aus der DDR von 1965
|
| Regie |
Kurt
Maetzig |
| Drehbuch |
Manfred
Bieler,
nach seinem Roman "Maria Morzeck oder Das Kaninchen
bin ich" |
| Musik |
Reiner Bredemeyer und Gerhard Rosenfeld |
| Kamera |
Erich
Gusko |
| Darsteller |
Maria
Morzeck - Angelika Waller
Paul Deister - Alfred Müller
Tante Hete - Ilse Voigt
Dieter Morzeck - Wolfgang Winkler
Der Bürgermeister - Helmut Schellhardt
Gabriele Deister - Irma Münch
Grambow - Rudolf Ulrich
Edith Grambow - Annemarie Esper
Herbert Wolf - Hans Hardt-Hardtloff
Major Helmrich - Christoph Engel und andere |
Die elternlose Maria Morzeck (Angelika Waller) lebt
bei ihrer Tante Hete (Ilse Voigt) und arbeitet als
Kellnerin im "Bayrisch-Zell". Eigentlich
wollte sie Slawistik studieren und Dolmetscherin
werden. Doch weil ihr Bruder Dieter (Wolfgang Winkler)
wegen "staatsgefährdender Hetze"
zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, ließ
man sie nicht zum Studium zu. Durch puren Zufall
lernt Maria Paul Deister (Alfred Müller) kennen,
ihre erste große Liebe. Als sich herausstellt,
dass er der Richter ihres Bruders ist, versucht
sie, diese Liebe nicht mit Dieters Fall zu belasten.
Doch je näher sie Paul kennen lernt, desto
mehr Fragen drängen sich ihr auf. Sie merkt,
dass er Menschen ebenso wie Gesetze nur für
seine Karriere benutzt. Sie schreit ihm ihre Verachtung
ins Gesicht und verlässt ihn enttäuscht.
Als der vorzeitig entlassene Bruder von dem Verhältnis
erfährt, schlägt er seine Schwester zusammen.
Maria zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus und
ist entschlossen, um ihren Studienplatz zu kämpfen.
Kurt
Maetzig, einer der renommiertesten DEFA-Regisseure,
glaubte nach dem Bau der Mauer, dass man kritischer
mit dem DDR-Alltag im Film umgehen könne.
Er wolle etwas "vom Lebensgefühl der
jungen Generation vermitteln und zwar ohne Schablone
und ins Bild gesetztes Wunschdenken", erklärte
er während der Dreharbeiten. Doch er hätte
gewarnt sein müssen - schon die literarische
Vorlage, ein Roman von Manfred Bieler, durfte
nicht erscheinen, auch Maetzigs Film wurde verboten.
Dies geschah im Zusammenhang mit dem 11. Plenum
des ZK der SED im Dezember 1965, wo Walter Ulbricht
alle ihm nicht genehmen Gegenwartsfilme als "Kaninchenfilme"
beschimpfte. Der Film erlebte erst im November
1989 seine Kinopremiere - und das Publikum war
erstaunt ob des entlarvenden Humors, mit dem die
klarsichtige Gesellschaftskritik vermittelt wurde.
Auch die ausgezeichneten Darstellerleistungen
überzeugten, allen voran Angelika Waller,
die ihr Debüt mit der Wandlungsfähigkeit
eines Naturtalents gab. Das Verbot des Films hatte
für die 1944 in Bärwalde geborene -
in einem Sonderlehrgang beim Nachwuchsstudio des
Deutschen Fernsehfunks ausgebildete - 21-jährige
Schauspielerin Folgen. Die Filmkritikerin Bärbel
Dalichow schreibt in ihrer Hommage: "Die
weibliche Hauptperson des Kaninchen-Films, gespielt
von Angelika Waller, konnte nur deshalb nicht
zur Lieblingsheldin der jungen Frauen in Ostdeutschland
werden, weil man ihn bis zum Untergang der DDR
versteckte. Schlank und dennoch, in diesen frühen
Jahren, rundlich wie die Dietrich im Blauen Engel,
besitzt sie dieselbe brisante Mischung aus anziehender
Körperlichkeit und herausfordernder Widersetzlichkeit,
gewürzt von der berühmt-berüchtigten
Berliner Schnauze". Helene Weigel vom Berliner
Ensemble erkannte ihr Talent - bis 1992 war Angelika
Waller an diesem Theater erfolgreich engagiert.
Im DEFA-Film hatte sie weniger Glück. Ihre
nächste Hauptrolle nach dem "Kaninchen"
spielte sie im Zirkusfilm "Schwarze Panther"
(1966), eine weitere in der Komödie "Im
Himmel ist doch Jahrmarkt" (1969) - alles
keine sehr anspruchsvollen Filme, die zudem wenig
von ihrem großen Talent herausforderten.
Im Fernsehen war sie vor allem in Gegenwartsproduktionen
zu sehen, u.a. in den TV-Reihen "Der Staatsanwalt
hat das Wort" und "Polizeiruf 110".
Seit 1993 ist Angelika Waller als Professorin
an der Berliner Schauspielschule "Ernst Busch"
tätig. Sie ist auch weiterhin dem Theater
als Regisseurin verbunden und inszeniert u.a.
in Berlin, Chemnitz, Bern.
|
|
|
|
|