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Zunächst weiß die schwangere Maria nur,
was sie nicht will: weder den ungeliebten Kindsvater
Juan heiraten, noch in ihrem armseligen kolumbianischen
Dorf versauern, wo sie auf einer Blumenplantage
im Akkord Dornen von Rosen abstreift. Um herauszufinden,
was sie will, kündigt die 17-Jährige ihren
Job und reist gegen den Willen ihrer Familie in
die Hauptstadt Bogotá. Vielleicht gibt es
hier eine Arbeit als Hausmädchen. Maria lernt
den charmanten Franklin kennen, der ihr einen lukrativeren
Job anbietet: als "Maultier". In ihrem
Bauch soll sie Drogen in die USA schmuggeln - das
sei ein Kinderspiel. Die Bekanntschaft mit der gleichaltrigen
Lucy, die sich nach zwei Kurierflügen eine
luxuriöse Wohnung leisten kann, überzeugt
Maria. Also würgt sie 62 Päckchen Heroin
hinunter und begibt sich in Begleitung von drei
weiteren Mädchen auf den lebensgefährlichen
Flug nach "Nueva York".
Der vermeintlich lockere Trip verläuft anders
als geplant, nachdem Lucy wegen eines geplatzten
Päckchens sterbenskrank in New York landet
und Maria gleich verhaftet wird. Vorerst hat Maria
noch Glück im Unglück: Wegen ihrer Schwangerschaft
darf die Drogenpolizei ihren Bauch nicht röntgen
und muss die Verdächtige wieder freilassen.
Doch bald darauf versetzt Lucys Tod Maria so sehr
in Panik, dass sie aus der Absteige flieht, in der
zwei nicht gerade zimperliche Dealer die leidgeprüften
Mädchen aus Kolumbien in Empfang genommen haben.
Mit dem Mut der Verzweiflung stürzt Maria sich
in ein neues Leben.
Statt wie in Steven Soderberghs Drogenthriller "Traffic"
die Strukturen des "Narco-Business" aus
amerikanischer Sicht zu zeigen, dreht Debütregisseur
Joshua Marston das Fernglas um und verleiht dem
Fußvolk des globalen Drogenschmuggels ein
nur allzu menschliches Gesicht. Mit seinem dokumentarischen
Ansatz unterläuft er bewusst Elends- und Krimiklischees.
Denn Maria ist zwar arm, aber nicht vom Hungertod
bedroht, sucht vielmehr einen Ausweg aus ihrem perspektivlosen
Dasein und beweist bei ihrem Wunsch nach einem besseren
Leben wenig Skrupel, aber viel Mut. So wie sie lernt,
die Latexpäckchen in ihre Kehle zu schieben,
so lernt sie auch, sich gegen Dealer zu behaupten.
Die für den "Oscar" nominierte Catalina
Sandino Moreno, die auf der Berlinale 2004 den "Silbernen
Bären" verliehen bekam, erdet diese symbolhafte
Figur, die trotz der Szenen, in der ihr die tödlichen
Päckchen wie die Hostie beim Abendmahl gereicht
werden, nicht blasphemisch wirkt. Eine kleine Schlüsselrolle
spielt Orlando Tobon, Wortführer der kolumbianischen
Gemeinde in New York, der zwischen Polizei, Drogenkurieren
und deren Familien vermittelt.
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