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Sergej Iwanowitsch, ein Richter, erzählt seinem
Vorgesetzten von Pawlin, einem Mann, den er wegen
Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilten
musste. Was war geschehen? In einer kleinen russischen
Stadt im Ural um 1850 zog Pawlin, der als Portier
im Hause der herzlosen Adligen Anna Iwanowna arbeitete,
das Waisenmädchen Ljuba Andrejewna groß.
Das Mädchen, das zur jugendlichen Schönheit
heranwuchs, war sein Sonnenschein. Doch eines Tages
kehrte der Sohn der Hausherrin, Wladimir Alexandrowitsch,
Dodja genannt, nach Hause zurück. Ein gut aussehender
junger Mann und wie in jenen Zeiten in Adelskreisen
üblich, zum Offizier avanciert.
Er liebte das Spiel, den Wein und die Frauen und
war pleite. Der einzige Ausweg war die Heirat mit
einer reichen Frau. Doch Ljuba und Dodja, die sich
schon als Kinder kannten, verliebten sich. Ljuba
blühte auf, aber als Dodja ihr reinen Wein
einschenkte, dass er sie niemals heiraten könne,
bat sie Pawlin in ihrer Verzweiflung, sie zur Frau
zu nehmen. Der alte Mann war überglücklich,
und übersah nur zu gern, in welcher Seelenqual
sich Ljuba befand. Noch in der Hochzeitsnacht betrog
Ljuba ihn mit Dodja und wurde dessen Geliebte.
Als Anna Iwanowna eines Tages bemerkte, dass sie
von ihrem Sohn bestohlen wurde, teilte sie Pawlin
mit, dass sie alle drei - Pawlin, Dodja und Ljuba
- bei der Polizei anzeigen würde. Nun endlich
gingen dem alten Mann die Augen auf. Er übernahm
die Schuld und schickte das junge Paar aus der Stadt.
Allerdings warnte er Dodja, er würde ihnen
immer folgen, um Ljuba vor dem Absturz zu bewahren.
Jahre später, als Dodja seine Geliebte aus
Geldnöten einem Gouverneur anbot, griff Pawlin
ein. Er tötete Dodja und wurde verurteilt -
von Sergej Iwanowitsch, der sich danach um Ljuba
kümmerte und der nun um Begnadigung für
Pawlin bittet.
In einer seiner ersten Regiearbeiten verfilmte Kurt
Meisel 1949 die Novelle "Pawlin" des russischen
Erzählers Nikolai Leskow, die er 1874 veröffentlichte.
"Von Kurt Meisels Regie können wir nur
Lobenswertes sagen. Er erwies sich als ein Meister
der Atmosphäre und des Milieus", schrieb
damals ein Kritiker. Mit Joana Maria Gorvin, eine
der bedeutendsten Darstellerinnen des deutschsprachigen
Theaters mit dem "geheimnisvollen Etwas in
der Kehle" (Jürgen Fehling), und Hermine
Körner, bis in ihre späten Jahre eine
große alte Dame des deutschen Theaters, die
mit einer Briefmarke der Deutschen Bundespost geehrt
wurde, sowie Carl Kuhlmann und Friedrich Schoenfelder
stand Regisseur Meisel ein wunderbares Ensemble
zur Verfügung, das die nahezu Dostojewskischen
Figuren stilecht und berührend darstellte.
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