Die blonde Hexe

Spielfilm aus Frankreich und Schweden von 1956
Regie André Michel
Drehbuch Paul Andréota, Jacques Companéez, Christiane Imbert, nach der Erzählung "Die schöne Olessja" von Alexander Kuprin
Musik Norbert Glanzberg und André Lafosse
Kamera Marcel Grignon
Darsteller Ina - Marina Vlady
Laurent Brulard - Maurice Ronet
Kristina Lundgren - Nicole Courcel
Matti, Baustellenleiter - Ulf Palme
Pastor Hermansson - Rune Lindström
Camoin, Ingenieur - Michel Etcheverry
Maila, Inas Großmutter - Naima Wifstrand
Frau Hermansson - Ulla Lagnell
Pullinen, Verwalter - Erik Hell
Erik Lundgren - Eric Hellström
und andere

Nordschweden, um 1950. Der junge Pariser Bauingenieur Laurent Brulard übernimmt im Auftrag der Gutsbesitzerin Kristina Lundgren den Bau eines Sägewerks und dazugehöriger Straßen inmitten endloser Wälder. Es ist eine sehr einsame Gegend, das trostlose Leben der Leute wird geprägt von Arbeit, Alkohol und Aberglauben. Brulard interessiert das wenig, so sprengt er auch Felsen, obwohl sie von den bösen Trollgeistern bewohnt werden sollen. Zwischen Laurent und seiner Bauherrin, einer eher verschlossenen jungen Witwe mit einem kleinen Sohn, entwickelt sich aus Sympathie Zuneigung, auch der kleine Erik mag ihn sehr.

Doch eines Tages, als Laurent mit Matti, dem Baustellenleiter, seinem neuen Freund, die Tierfallen nach Beute absucht, sieht er ein scheues, bildschönes blondes Mädchen. Es scheint halb Fee, halb Wildkatze zu sein und flieht vor ihm tiefer in den Wald. Fasziniert von ihrer Erscheinung verfolgt er sie. Dabei verirrt er sich und gerät ins unheimliche Moor, vor dem ihn Matti gewarnt hat. In letzter Minute rettet ihn eine alte Frau vor dem sicheren Tod. Sie nimmt ihn in ihre Hütte mit und er erkennt in ihr Maila, ein Kräuterweib, das im Dorf als Hexe verschrien ist - ebenso wie ihre Enkelin Ina, jenes Naturkind, dem er folgte und das ihn nun zurück ins Dorf bringt. Beide fühlen sie sich magisch angezogen, immer häufiger werden ihre Treffen in der einsamen Wildnis.

Er lernt schwedisch, sie französisch. Nichts kann sie voneinander fernhalten - nicht die Warnung der Großmutter vor dem Unglück, nicht die beschwörenden Worte des Pastors, nicht das Aufkündigen der Freundschaft durch Matti. Laurent glaubt, Ina vor dem Hass, dem Aberglauben um sie schützen zu können - er will sie heiraten. Das Mädchen hat Angst, und doch fasst es etwas Vertrauen und geht eines Sonntags in die Kirche. Die braven Kirchgängerinnen sind außer sich - und stürzen sich wutentbrannt und gewalttätig nach der Messe auf die junge Frau. Ina wird bespuckt, geschlagen, getreten. In letzter Not kann die Gutsherrin das auf dem Boden liegende blutende Mädchen retten. Benommen läuft Ina zum rettenden Wald. Da trifft sie ein Stein an der Schläfe, geschleudert von einem betrunkenen Arbeiter. Die junge Frau stirbt einsam im Wald, Laurent kann sie nicht finden.

"Die blonde Hexe" beruht auf der Novelle "Olessja" des russischen Dichters Alexander Kuprin (1870-1938). André Michel verlegte sein 1956 inszeniertes Drama von der Liebe eines Naturkindes zu einem Stadtmenschen nach Schweden. Seine natur- und poesiebetonte Verfilmung, die mit Marina Vlady und Maurice Ronet in den Hauptrollen hervorragend besetzt ist, zählt heute zu den Filmklassikern. Für Marina Vlady, zu deren 70. Geburtstag am 10. Mai 2008 das MDR FERNSEHEN mit dieser Ausstrahlung gratuliert, war die Rolle der "blonden Hexe" der Durchbruch zur international beachteten Schauspielerin. Marina Vlady entstammt einer Künstlerfamilie, auch zwei ihrer Schwestern - Odile Versois und Hélène Valier - wurden bekannte Schauspielerinnen. Ab dem sechsten Lebensjahr besucht sie die Ballettschule der Pariser Oper, mit zehn Jahren steht sie das erste Mal vor der Kamera. Dann verkörpert sie verliebte junge Mädchen und wird 1954 zur besten französischen Nachwuchsschauspielerin gekürt.

Zwei Jahre später kommt mit "Die blonde Hexe" der Ruhm, das Publikum liebt ihre "naiv-erotische Frische und Natürlichkeit" (Munzinger). Im selben Jahr heiratet sie Robert Hossein, mit dem sie mehrfach zusammen auftritt. Sie wird jetzt gern als "verführerischer Vamp" eingesetzt, ein Image, das sie in den 1960er Jahren ablegen kann, u.a. mit der Rolle der Geliebten Tschechows in "Sujet für eine Kurzgeschichte" (1969) und mit der Hauptrolle in Bernard Pauls "Junge Frau in Frankreich" (1969), einem Film über Eheprobleme einer Arbeiterfamilie.

1970 heiratet sie den sowjetischen Schauspieler und Sänger Andrej Wyssotzki, zieht sich von Bühne, Film und Fernsehen zurück und lebt lange in der Sowjetunion. Nach seinem Tod 1980 kehrt sie mit der Rolle der Lucrezia in "Der eingebildete Kranke" in ihren Beruf zurück. Sie arbeitet viel fürs Fernsehen und schreibt 1987 ein viel beachtetes Buch über Andrej Wyssotzki. Seither zieht sie die Schriftstellerei dem Spielen vor und schreibt zwei weitere, sehr erfolgreiche Bücher.
   

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