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In einem riesigen Zirkuszelt kündigt der diabolische
Impresario mit blumigen Worten die Sensation des
Abends an: den Auftritt der legendären Tänzerin
Lola Montez. In stilisierten Zirkusnummern wird
nun den gierigen Zuschauern der Lebens- und Leidensweg
der weltberühmten Frau erzählt.
Lola steht stillschweigend im Zentrum der Inszenierung
und lässt jede Demütigung über sich
ergehen. Als junge Frau sollte sie von ihrer selbstsüchtigen
Mutter an einen alten reichen Mann verkuppelt werden.
Doch bevor es dazu kommt, verfällt ihr Leutnant
James, der junge Geliebte ihrer Mutter. Sie heiratet
ihn, folgt ihm in seine schottische Heimat. Doch
schon bald zerbricht die Ehe an der Trunksucht ihres
launischen Mannes. Später hat sie eine Beziehung
mit dem berühmten Komponisten Franz Liszt.
Doch auch die hält nicht allzu lange.
Es folgen zahllose Affären mit ebenso wohlhabenden
wie einflussreichen Männern. Aber mit den Liebschaften
kommen auch die Skandale. Lola wird berühmt.
In Bayern gelingt es ihr schließlich, die
Aufmerksamkeit von König Ludwig I. auf sich
zu lenken. Auch er verfällt der schönen,
verführerischen Tänzerin. In Ludwigs Armen
spürt Lola zum ersten Mal in ihrem Leben ein
Gefühl echter Geborgenheit. Doch das Glück
währt nicht lange - Lola wird von ihrer Vergangenheit
eingeholt.
Entgegen dem Willen des aufgebrachten Volkes steht
Ludwig zu seiner Geliebten - und provoziert damit
eine Revolution. Völlig mittellos und auf sich
allein gestellt, flieht Lola nach Amerika. Dort
besinnt sie sich des alten Angebots, in einem Zirkus
dem sensationslüsternen Publikum ihre Geschichte
zu verkaufen. Und da steht sie nun: apathisch, krank
und geschwächt - eine gebrochene Frau, die
sich von gierigen Männern für einen Dollar
die Hand küssen lässt.
Mit "Lola Montez" hat Max Ophüls
("Der Reigen") eines der großen
Meisterwerke der Filmgeschichte geschaffen. Durch
seine ausgeklügelte Farbdramaturgie und seine
detailreichen Bildkompositionen gilt der Film unter
zahlreichen Kinokennern und -machern, darunter Francois
Truffaut, als bester CinemaScope-Filme aller Zeiten.
In der Titelrolle beeindruckt Martine Carol als
eine Frau, der zwar sämtliche Männer zu
Füßen liegen, der die wahre Erfüllung
jedoch zeitlebens verwehrt blieb. Martine Carol,
die ihre Laufbahn als Fotomodell begann, drehte
1940 den ersten ihrer über 40 Filme. Aber erst,
als sich der Regisseur Christian-Jacque ihrer annahm,
begann ihre große Karriere. In Filmen wie
"Liebenswerte Frauen" (1952) konnte sie
ihre "Schönheit ausstellen und bis an
die Grenze des damals Erlaubten gehen" (Internationales
Filmlexikon).
In den frühen Fünfzigerjahren ist sie
Frankreichs Sexsymbol und die populärste Schauspielerin.
Sie feiert Erfolge als "Lucrezia Borgia"
(1953), "Madame Dubarry" (1954), "Nana"
(1955) und "Natalie" (1959). Zwei ihrer
schönsten Rollen spielt sie in René
Clairs "Die Schönen der Nacht" (1952)
und 1954 in Max Ophüls "Lola Montez".
Mit dem Aufstieg von Brigitte Bardot zu Frankreichs
neuem Sexidol beginnt ihr Ruhm zu verblassen. Sie
stirbt, erst 44 Jahre alt, an einem Herzinfarkt.
Am 16. Mai 2005 wäre sie 85 geworden.
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