Große Vögel, kleine Vögel

Italienischer Spielfilm von 1965
Regie Pier Paolo Pasolini
Drehbuch Pier Paolo Pasolini
Musik Ennio Morricone
Kamera Mario Bernardo und Tonino Delli Colli
Darsteller Innocento, der Vater / Bruder Ciccillo - Totò
Ninetto, der Sohn / Bruder Ninetto - Ninetto Davoli
Luna, die Prostituierte - Femi Benussi
Freundin von Ninetto - Rossana Di Rocco
Die Bäuerin - Rosina Moroni
Der Ingenieur - Riccardo Redi
Urganda, die Unbekannte - Lena Lin Solaro
Grobian im Mittelalter (1) - Umberto Bevilacqua
Grobian im Mittelalter (2) - Renato Capogna
Grobian im Mittelalter (3) - Pietro Davoli
Dante forschender Zahnarzt - Gabriele Baldini
und andere

Ein Vater und sein Sohn Ninetto sind unterwegs in der italienischen Provinz. Wohin die beiden unbekümmerten Wanderer wollen, wissen sie selbst nicht so genau. Sie plaudern über Gott und die Welt, das neue Gebiss der Mutter und den üppigen Busen der Nachbarin. Ein sprechender Rabe "aus einem Land, das Ideologie heißt", gesellt sich zu den beiden, um sie aus ihrer arglosen Naivität herauszuholen und sie in Debatten über Religion und Marxismus zu verwickeln. Der gelehrte, allzu gelehrte Vogel ist ihnen nicht ganz geheuer, doch sie dulden ihn, denn seine Erzählungen vertreiben die Zeit.

Eine seiner Geschichten versetzt Vater und Sohn als Ordensbrüder ins Jahr 1200. Im Auftrag des Heiligen Franz von Assisi ziehen die beiden als Mönche los, um die Sprache der Vögel zu erlernen, damit auch dieser Kreatur die Liebe Gottes gepredigt werden kann. Nach jahrelanger Anstrengung versteht der Vater tatsächlich die Sprache der Tiere. Doch kaum hat er die Vögel bekehrt, da stürzen sich die Falken auf die Spatzen, um sie zu fressen. Zurück in der Gegenwart, bestehen Vater und Sohn weitere Abenteuer, bei denen sie abwechselnd Ausbeuter und Ausgebeutete, Jäger und Gejagte sind. Dabei werden sie nicht nur müde, sondern auch hungrig. Da der Rabe den Schnabel nicht halten will, drehen sie dem Tier den Hals um, braten es und essen es auf.

"Große Vögel, kleine Vögel" ist eine virtuos inszenierte filmische Parabel über einen Vater und seinen Sohn auf dem "Weg des Lebens". Der episodisch erzählte Film ist eine ebenso komplexe wie poetische Reflexion über christliche und marxistische Grundwerte, die Pier Paolo Pasolini ("Die 120 Tage von Sodom", "Das Erste Evangelium - Matthäus") mit geschickt platzierten Zitaten von Mao, Marx und Papst Paul VI. listig gegeneinander ausspielt und auf ihre Alltagstauglichkeit überprüft. Mühelos und spielerisch übersetzt Pasolini abstrakte Themen in sinnlich konkrete, humorvolle Szenarien. So ist die Figur des sprechenden Vogels unter anderem ein Verweis auf den italienischen Kommunistenführer Togliatti, im Volksmund "der Rabe" genannt, auf dessen Begräbnis Pasolini mit dokumentarischen Bildern anspielt. Der Film, der zu den Meisterwerken der Filmkunst zählt, erhält seinen besonderen Reiz durch die unnachahmliche Mimik des großen italienischen Komikers Totò.

Die Frankfurter Rundschau schrieb dazu: "Ein Film, der in vieler Hinsicht nicht nur eine kritische Hommage an die kleinen Leute, sondern auch an deren Liebling Totò ist". Totò wurde am 15. Februar 1898 in Neapel geboren. Er war in den 1920er- und 1930er-Jahren eine Berühmtheit im römischen Avanspettacolo, einer dem Vaudeville verwandten Mischung aus Musik, Ballett und Komödie. Seinen ersten Auftritt im Film hatte er 1937. In über 100 Filmen spielte er sich als Komödiant in den folgenden 30 Jahren in die Herzen der Zuschauer. Er starb am 15. April 1967 im Alter von 69 Jahren.
   

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