An ihrer Seite

Spielfilm Kanada 2006
Regie Sarah Polley
Drehbuch Sarah Polley, nach der Kurzgeschichte "The Bear Came Over The Mountain"
Musik Jonathan Goldsmith
Kamera Luc Montpellier
Darsteller Fiona Andersson - Julie Christie
Grant Andersson - Gordon Pinsent
Marian - Olympia Dukakis
Aubrey - Michael Murphy
Kristy - Kristen Thomson
Madeleine Montpellier - Wendy Crewson
Dr. Fischer - Alberta Watson
Veronica - Deanna Dezmari
Die junge Fiona - Stacey LaBerge
und andere

Grant und Fiona sind 44 Jahre verheiratet. Die Seitensprünge mit seinen jungen Studentinnen hat Fiona dem früheren Uniprofessor inzwischen verziehen. Seit seiner Emeritierung lebt das kultivierte Paar harmonisch in einem idyllischen Haus am See. Mit stummem Amüsement beobachtet Grant, wie die vergessliche Fiona nonchalant die Bratpfanne in den Eisschrank räumt und sich mit Notizzetteln über den Alltag hilft. Doch als sie nach einem Ausflug im Schnee völlig die Orientierung verliert, diagnostiziert der Arzt rasch zunehmende Demenz. Bevor die Lebensumstände daheim unerträglich werden, weist Fiona sich gegen den Willen ihres Mannes selbst in ein Pflegeheim ein. Gemäß den Regeln der Institution darf Grant seine Frau einen Monat lang nicht besuchen. Ein schwerer Schritt für das Paar, das nie länger als einen Tag voneinander getrennt war. Als Grant seine Frau endlich wiedersieht, scheint sie sich nicht mehr an ihn zu erinnern. Schlimmer noch: Sie konzentriert ihre ganze Zuneigung auf den demenzkranken Aubrey. Dennoch besucht Grant seine Frau täglich und wird so zum fassungslosen Zaungast ihrer neuen Liebe. Doch als Aubrey von seiner Ehefrau Marian aus dem Pflegeheim geholt wird, stürzt Fiona in eine lebensbedrohliche Depression. Grant nimmt mit der handfesten Marian Kontakt auf.

Durch ihre komplexen Frauenrollen in den Melodramen "Das süße Jenseits" von Atom Egoyan und "Mein Leben ohne mich" von Isabel Coixet avancierte Sarah Polley zum stillen Star des Arthouse-Kinos. Nicht minder brillant ist das Regiedebüt der Kanadierin, die eine Kurzgeschichte von Alice Munro über eine Ehe und Liebe, in die Alzheimer einbricht, verfilmte. Feinfühlig umschifft sie Peinlichkeiten und auch Rührseligkeiten der Darstellung von Alter und Verfall, Liebe und Sex. Der 76-jährige Gordon Pinsent verkörpert den Ehemann und dessen Reaktionen auf die Veränderung der geliebten Frau ebenso zurückhaltend wie herzzerreißend. Vor allem aber ist der Film eine Hommage an die britische Filmschönheit und Oscar-Preisträgerin Julie Christie, die als Fiona noch im Status der Auflösung Würde, Kraft und Sinnlichkeit ausstrahlt.

Julie Christie feiert am 14. April 2011 ihren 70. Geburtstag. Die als Tochter eines Teeplantagenbetreibers im indischen Chabua geborene Schauspielerin ist das It-Girl der Swinging Sixties. Bereits für ihre erste große Filmrolle in "Darling" von John Schlesinger gewinnt sie 1965 ihren ersten Oscar und wird über Nacht in den Filmhimmel katapultiert. Im selben Jahr spielt sie die Lara in David Leans Verfilmung von "Doktor Schiwago", eine Rolle, die sie zunächst ausgeschlagen hatte. Die schöne Blonde gilt zu jener Zeit als der Typus der emanzipierten und selbstbewussten jungen Frau, und sie lässt sich nicht vom Filmgeschäft vereinnahmen, sondern wählt schon damals ihre Rollen sehr gezielt aus. Zu ihren großen Filmen zählen Francois Truffauts "Fahrenheit 451" (1966), Robert Altmans "McCabe und Mrs. Miller" (1971), Nicolas Roegs "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973). In jener Zeit ist sie mit Warren Beatty liiert, mit dem sie in mehreren Filmen gemeinsam auftritt.

Nach dem Erfolg von "Der Himmel soll warten" (1978) wird es ruhiger um Julie Christie, sie wirkt vor allem in amerikanischen Außenseiter-Produktionen mit und lehnt Rollen ab, für die andere Schauspielerinnen den Oscar bekommen. Erst in den 1990er Jahren kehrt sie wieder zurück, u.a. ist sie in "Dragonheart" (1996) und "Hamlet" (1996) zu sehen und bekommt für "Liebesflüstern" (1997) ihre dritte Oscar-Nominierung. Nach einigen weiteren Produktionen spielt sie 2004 gleich in drei Blockbustern mit, u.a. in "Troja" und "Harry Potter und der Gefangene von Askaban". 2007 erhält sie für "An ihrer Seite" eine Oscar-Nominierung. 2010 ist sie im Episodenfilm "New York, I Love You" zu sehen.
   

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