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Seit die Fischgründe erschöpft sind, lebt
St. Marie-La-Mauderne, eine vom Rest der Welt abgeschnittene
Dorfgemeinschaft von 125 Seelen, nur noch von der
Sozialhilfe. Die Fischer, die täglich 14 Stunden
ihrer harten Arbeit nachgingen und dabei zufrieden
und stolz waren, drehen jetzt nur Däumchen.
Der Ort droht in eine allgemeine Depression zu verfallen.
Doch jetzt will der Unternehmer Dupré eine
neue Fabrik in der Enklave ansiedeln. Aber bevor
das geschieht, sind noch einige bürokratische
Hürden zu nehmen. Vor allem müsste ein
Arzt her.
Der erste Versuch des zu allem bereiten und fähigen
Bürgermeisters Germain Lesage, ein Rundbrief
an alle Ärzte von Quebec, bleibt unerwidert.
Niemand will sich in das verlassene Kaff locken
lassen. Dann aber wird einer der angeschriebenen
Ärzte, der Schönheitschirurg Dr. Christopher
Lewis, mit erhöhter Geschwindigkeit gestoppt
- und ein Tütchen weißen Pulvers hat
er auch dabei. Ausgerechnet der Polizist Réal
Fournier erwischt ihn. Er war Bürgermeister
auf der Insel und zog mit Frau und Tochter aufs
Festland, um seiner Arbeitslosigkeit ein Ende zu
machen. Immer noch Inselpatriot hat er für
den Arzt ein anderes "Angebot" als eine
Strafanzeige.
Auf diese hinterlistige Art und Weise haben die
Dörfler einen Monat lang Zeit, den illegal
geköderten Arzt davon zu überzeugen, dass
ihr Dorf auch für ihn der schönste Ort
auf Erden und vor allem der ideale Arbeitsplatz
ist. Unter der Führung des rührigen Bürgermeisters
verwandeln sich die Dörfler in Werbeagenten
in eigener Sache. Alles, aber auch alles, wird getan,
um dem Arzt entgegenzukommen.
Um seine Wünsche und Neigungen herauszufinden,
installiert man nicht nur eine Abhöranlage,
sondern liest ihm förmlich alles von den Lippen
ab. Kaum hat er seine Begeisterung für Kricket
geäußert, verwandelt sich das Dorf in
eine begeisterte Kricketmannschaft. Alles, was den
jungen Arzt bewegt, seine Lieblingsspeisen, sein
Musikgeschmack, auch sein persönliches Schicksal,
ein vaterloser Halbwaise zu sein, wird zu Werbemunition.
Mit seinem Debütfilm feierte der renommierte
frankokanadische Werbefilmer und Kameramann Jean-François
Pouliot, 1957 in Montreal geboren, einen Sensationserfolg.
"Die große Verführung", eine
Komödie vor dem Hintergrund sozialer Probleme
und Massenarbeitslosigkeit, brach an den kanadischen
Kinokassen alle Rekorde und verwies wochenlang US-Blockbuster
auf die Plätze. "Man kommt leicht hin:
Geh bis ans Ende der Welt, dann nach rechts und
noch ein Stück weiter, dann triffst du auf
eine alte Boje, auf der steht St. Marie-La-Mauderne",
so beschreibt der Regisseur den Ort seines Films.
"Arm und schlicht sind sie und haben keine
Ahnung vom fiebrigen Tempo unserer Städte,
aber wie sie um ihre Würde ringen, zeugt von
mehr Kraft und Lebenslust, als du und ich je kennen
werden", schildert er die Dorfbewohner des
realen St. Marie-La-Mauderne - des Städtchens
Harrington Harbour. Zu den zahlreichen Auszeichnungen
des Films gehören drei Publikumspreise für
Pouliot beim Atlantik-Film-Festival, beim Festival
von Montreal und auf dem Festival von Sundance.
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