Der kalte Sommer des Jahres 53

Spielfilm aus der UdSSR von 1987
Regie Alexander Proschkin
Drehbuch Edgar Dubrowski
Musik Wladimir Martynow
Kamera Boris Broshowski
Darsteller Sergej Bassargin, gen. Lusga - Waleri Prijomychow
Nikolai Starobogatow, gen. Kopalitsch - Anatoli Papanow
Milizionär Mankow - Viktor Stepanow
Lida, die Stumme - Nina Ussatowa
Schura, Tochter der Stummen - Soja Burjak
Wanja Sotow - Juri Kusnezow
Fadejew, Hafenverantwortlicher - Wladimir Kaschpur
Witja - Sergej Wlassow
Baron, Bandenchef - Wladimir Golowin
Michalitsch - Andrej Dudarenko
und andere

Nikolai Starobogatow und Sergej Bassargin sind gemeinsam nach langen schweren Jahren im Straflager für fünf Jahre in das weltabgeschiedene sibirische Fischerdorf verbannt worden. Nikolai, genannt Kopalitsch, einst Ingenieur, hat jeden Kontakt zu seiner Familie in Moskau abgebrochen - er wollte ihr nicht schaden. Jetzt beschäftigt er sich mit dem Bootsbau, während sein Gefährte Sergej, Lusga genannt, einst Kommandeur eines Regimentsaufklärungsdienstes, für wenige Stunden Kriegsgefangener und deshalb zur Lagerhaft verurteilt, meist nur grübelnd herumsitzt. Bei den Dorfbewohnern sind sie unbeliebt und werden als "Volksfeinde" mit Geringschätzung behandelt.

An sie, die Politischen, wurde bei der Generalamnestie von Berija nicht gedacht, nur Kriminelle wurden freigelassen, marodierend ziehen sie durchs Land. Die Bewohner des Fischerdorfes erfahren davon vom Milizionär Mankow, der berichtet, dass freigelassene Banditen seinen Kollegen Korjosch ermordet haben. Sechs von ihnen sind der Polizei entkommen und bedrohen nun das Dorf. Mit Waffen, die sie vom Abteilungschef Sotow erpresst haben, beginnen sie, das Dorf zu terrorisieren. Sie ermorden Mankow, dann bringen sie die übrigen Dorfbewohner, die zur Gegenwehr nicht fähig sind, in ihre Gewalt. Bassargin und Kopalitsch, als politisch Verbannte von den Kriminellen nicht ernst genommen, bleiben auf freiem Fuß. Als einer der Banditen versucht, das junge Mädchen Schura zu vergewaltigen, schlägt Bassargins Verachtung für die Marodeure in aktiven Widerstand um. Er besinnt sich auf die hohen moralischen Werte, die er einst vertreten hat, und kämpft gemeinsam mit Kopalitsch gegen die Verbrecherbande.

Ein spannender, historisch, sozial und psychologisch eindrucksvoller Film über die Zeit zwischen Stalins Tod und dem XX. Parteitag der KPdSU. "Wir wollten die Sitten aufspüren", sagte Regisseur Alexander Proschkin, "die zu jener Zeit in der Gesellschaft vorherrschten - Menschen ohne ein "Ich", die alles unter "Wir" abzubuchen gewohnt sind. Jenen Verderb, der ausgehen kann von einer Macht, die den Einzelnen als ein Nichts ansieht und ihn in die Rolle eines stummen Zeugen drängt, unfähig zum Widerspruch, geschweige denn Widerstand." Welchen Zweck Berija mit seiner Amnestie verfolgte, ist bis heute nicht restlos geklärt. Proschkin vertritt die Auffassung, Berija habe die unkontrollierte Kriminalität nutzen wollen, um sich selber zum Diktator aufzuschwingen. Alexander Proschkin (geb. 1940, "Paris sehen und sterben") ist mit seinem Film ein herausragender Beitrag der "Perestroika"-Periode gelungen - im Gegensatz zu vielen Filmen jener Zeit nicht kopflastig, sondern als realistisch gefärbtes Actionkino mit einer bis zur letzten Minute spannungsgeladenen Atmosphäre.
   

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