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Winston Smith arbeitet als kleiner Angestellter
im "Wahrheitsministerium", durch das die
herrschende Diktatur die Nachrichten im Sinne der
jeweiligen Tagespropaganda umschreiben lässt.
Apathisch nimmt er an den Massenaufmärschen
teil, doch innerlich hat er sich längst distanziert.
Heimlich schreibt er ein Tagebuch, um die Erinnerung
gegen das befohlene Vergessen zu konservieren. Es
gelingt ihm, diese verbotene Tätigkeit vor
dem riesigen Teleschirm zu verbergen, durch den
der "Große Bruder" die gesamte Bevölkerung
überwacht. Das Regime verbietet neben der Gedankenfreiheit
aber auch jegliche private Gefühle. Dennoch
lässt sich Winston auf eine rebellische Liebesaffäre
mit der jungen Dissidentin Julia ein. Er mietet
bei dem Pfandleiher Charrington ein Liebesnest,
in dessen schäbiger Atmosphäre die beiden
zum ersten Mal ein schwaches Gefühl von Individualität
erleben. Winston fühlt auch eine Wahlverwandtschaft
mit dem gebildeten Parteifunktionär O'Brien,
in dem er einen Sympathisanten der Widerstandsbewegung
zu erkennen glaubt. Winston trifft sich mit ihm
zu Gesprächen in dessen Wohnung und bekommt
ein Buch des verfemten Oppositionellen Goldberg
geschenkt. Winston fühlt sich sicher, doch
plötzlich liefert Charrington ihn und Julia
der brutalen Gedankenpolizei ans Messer. Der entsetzte
Winston wird von seinem vermeintlichen Freund O'Brien
einer grausamen Gehirnwäsche unterzogen, um
nicht nur seine Erinnerung, sondern auch seinen
Geist zu brechen. Winston widersteht der Folter
- bis O'Brien ihn in den berüchtigten Raum
101 bringen lässt, wo sein schlimmster Alptraum
zur Realität wird.
George Orwell, an den das MDR FERNSEHEN anlässlich
seines 60. Todestages am 21. Januar 2010 erinnern
will, schrieb seinen Roman "1984" 1948.
Mit analytischer Schärfe zeichnete er darin
das Schreckensbild eines totalitären Überwachungsstaates.
Nach einer ersten, nicht so überzeugenden Verfilmung
aus dem Jahre 1955 gelang Michael Radford 1984 eine
beklemmend authentische filmische Umsetzung des
längst zum Klassiker gewordenen Werkes. Orwells
Witwe erlaubte Radford nur eine naturalistische
Inszenierung ohne Science-Fiction-Effekte. Das entsprach
der Intention Orwells, der seinen Roman nicht als
futuristische Prognose, sondern als grimmige Satire
auf seine Entstehungszeit sah. Kameramann Roger
Deakins gab den Bildern des zerstörten Nachkriegs-Londons
mit silbrig gebleichten Farben einen unwirklichen
Stil, der viel zur Dichte der Atmosphäre von
"1984" beiträgt. Neben den beklemmenden
Bildern vom totalen Überwachungsstaat tragen
die beiden britischen Stars Richard Burton und John
Hurt entscheidend zur eindringlichen Wirkung des
Films bei.
John Hurt, der als aufbegehrender Winston Smith
beeindruckt, beging am 22. Januar 2010 seinen 70.
Geburtstag. Der schmächtige Mann mit den markant-melancholischen
Zügen gab 1962 sein Filmdebüt in Fred
Zinnemanns "Ein Mann zu jeder Jahreszeit".
1970 spielte er an der Seite von Richard Attenborough
den Mann, der in "John Christie, Frauenmörder
von London" anstelle des wirklichen Täters
hingerichtet wird. John Hurt erreichte in den 70er-Jahren
den Höhepunkt seiner Popularität. Er lässt
sich nicht auf einzelne Genres festlegen, er verkörpert
aber in zahlreichen Filmen den leidenden, kaputten
Menschen. Dazu gehören der brutale Gefängnisfilm
"Midnight Express" (1987) von Alan Parker
und David Lynchs aufregendes Melodram "Der
Elefantenmensch" (1980). Für beide Filmrollen
wurde John Hurt für den Oscar nominiert. Von
Zeit zu Zeit wirkte er auch in größeren
Hollywoodproduktionen mit, dazu zählen "Harry
Potter und Stein der Weisen" (2001) und "Indiana
Jones und das Königreich des Kristallschädels"
(2008).
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