1984

Spielfilm Großbritannien 1984
Regie Michael Radford
Drehbuch Michael Radford, nach dem gleichnamigen Roman von George Orwell
Musik Dominic Muldowney
Kamera Roger Deakins
Darsteller Winston Smith - John Hurt
O'Brien - Richard Burton
Julia - Suzanna Hamilton
Charrington - Cyril Cusack
Parsons - Gregor Fisher
Syme - James Walker
Tillotson - Andrew Wilde
Tillotsons Freund - David Trevena
Martin - David Cann
Jones - Anthony Benson
u. a.

Winston Smith arbeitet als kleiner Angestellter im "Wahrheitsministerium", durch das die herrschende Diktatur die Nachrichten im Sinne der jeweiligen Tagespropaganda umschreiben lässt. Apathisch nimmt er an den Massenaufmärschen teil, doch innerlich hat er sich längst distanziert. Heimlich schreibt er ein Tagebuch, um die Erinnerung gegen das befohlene Vergessen zu konservieren. Es gelingt ihm, diese verbotene Tätigkeit vor dem riesigen Teleschirm zu verbergen, durch den der "Große Bruder" die gesamte Bevölkerung überwacht. Das Regime verbietet neben der Gedankenfreiheit aber auch jegliche private Gefühle. Dennoch lässt sich Winston auf eine rebellische Liebesaffäre mit der jungen Dissidentin Julia ein. Er mietet bei dem Pfandleiher Charrington ein Liebesnest, in dessen schäbiger Atmosphäre die beiden zum ersten Mal ein schwaches Gefühl von Individualität erleben. Winston fühlt auch eine Wahlverwandtschaft mit dem gebildeten Parteifunktionär O'Brien, in dem er einen Sympathisanten der Widerstandsbewegung zu erkennen glaubt. Winston trifft sich mit ihm zu Gesprächen in dessen Wohnung und bekommt ein Buch des verfemten Oppositionellen Goldberg geschenkt. Winston fühlt sich sicher, doch plötzlich liefert Charrington ihn und Julia der brutalen Gedankenpolizei ans Messer. Der entsetzte Winston wird von seinem vermeintlichen Freund O'Brien einer grausamen Gehirnwäsche unterzogen, um nicht nur seine Erinnerung, sondern auch seinen Geist zu brechen. Winston widersteht der Folter - bis O'Brien ihn in den berüchtigten Raum 101 bringen lässt, wo sein schlimmster Alptraum zur Realität wird.

George Orwell, an den das MDR FERNSEHEN anlässlich seines 60. Todestages am 21. Januar 2010 erinnern will, schrieb seinen Roman "1984" 1948. Mit analytischer Schärfe zeichnete er darin das Schreckensbild eines totalitären Überwachungsstaates. Nach einer ersten, nicht so überzeugenden Verfilmung aus dem Jahre 1955 gelang Michael Radford 1984 eine beklemmend authentische filmische Umsetzung des längst zum Klassiker gewordenen Werkes. Orwells Witwe erlaubte Radford nur eine naturalistische Inszenierung ohne Science-Fiction-Effekte. Das entsprach der Intention Orwells, der seinen Roman nicht als futuristische Prognose, sondern als grimmige Satire auf seine Entstehungszeit sah. Kameramann Roger Deakins gab den Bildern des zerstörten Nachkriegs-Londons mit silbrig gebleichten Farben einen unwirklichen Stil, der viel zur Dichte der Atmosphäre von "1984" beiträgt. Neben den beklemmenden Bildern vom totalen Überwachungsstaat tragen die beiden britischen Stars Richard Burton und John Hurt entscheidend zur eindringlichen Wirkung des Films bei.
John Hurt, der als aufbegehrender Winston Smith beeindruckt, beging am 22. Januar 2010 seinen 70. Geburtstag. Der schmächtige Mann mit den markant-melancholischen Zügen gab 1962 sein Filmdebüt in Fred Zinnemanns "Ein Mann zu jeder Jahreszeit". 1970 spielte er an der Seite von Richard Attenborough den Mann, der in "John Christie, Frauenmörder von London" anstelle des wirklichen Täters hingerichtet wird. John Hurt erreichte in den 70er-Jahren den Höhepunkt seiner Popularität. Er lässt sich nicht auf einzelne Genres festlegen, er verkörpert aber in zahlreichen Filmen den leidenden, kaputten Menschen. Dazu gehören der brutale Gefängnisfilm "Midnight Express" (1987) von Alan Parker und David Lynchs aufregendes Melodram "Der Elefantenmensch" (1980). Für beide Filmrollen wurde John Hurt für den Oscar nominiert. Von Zeit zu Zeit wirkte er auch in größeren Hollywoodproduktionen mit, dazu zählen "Harry Potter und Stein der Weisen" (2001) und "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" (2008).
   

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