|
Potsdam, 1910. Nach dem Tod ihrer zärtlich
geliebten Mutter wird Manuela von Meinhardis in
ein Internat für adelige Mädchen gebracht.
Dort führt die erzkonservative Oberin Fräulein
von Nordeck zur Nidden ein strenges Regiment. Zucht
und Ordnung sind ihre Lieblingswörter, für
"Gefühlsduseleien" hat sie kein Verständnis.
Die sensible Manuela, die noch immer unter dem Verlust
ihrer Mutter leidet, vermag sich nur schwer ihrer
neuen Umgebung anzupassen. Sie hat aber das Glück,
dem Schlafsaal von Fräulein von Bernburg zugewiesen
zu werden, denn die verständnisvolle Erzieherin
ist bei den Mädchen besonders beliebt. Elisabeth
von Bernburg spürt, dass Manuela Hilfe braucht,
und nimmt sich ihrer mit großem Einfühlungsvermögen
an. Manuela reagiert darauf mit schwärmerischer
Verehrung.
Als die Mädchen zum Geburtstag der Oberin "Romeo
und Julia" aufführen, darf Manuela die
männliche Hauptrolle spielen und blüht
regelrecht auf. Nach der Aufführung steigert
sie sich im Überschwang ihrer Gefühle
in eine Liebeserklärung an Elisabeth von Bernburg
hinein - ein ungeheuerlicher Skandal, vor allem
die Oberin ist zutiefst empört. Manuela soll
aus dem Internat entfernt werden; Fräulein
von Bernburg wird für dieses unfassbare Vorkommnis
verantwortlich gemacht. Als Manuela erfährt,
in welche Schwierigkeiten sie die geliebte Erzieherin
gebracht hat, will sie sich in ihrer Verzweiflung
das Leben nehmen.
Lilli Palmer spielt in dieser Wiederverfilmung des
Welterfolgs von 1931 die Rolle, die Dorothea Wieck
seinerzeit berühmt machte: die ebenso schöne
wie menschliche Erzieherin in der pädagogischen
Hölle eines mit militärischer Strenge
geführten Mädchenstifts. Romy Schneider,
nach ihrem Durchbruch als "Sissi" am Beginn
ihrer Weltkarriere stehend, verkörpert die
sensible Manuela von Meinhardis, die in dem alten
Film von Hertha Thiele gespielt wurde. Die Dritte
im Bunde ist Therese Giese, eine der besten deutschen
Charakterdarstellerinnen des vorigen Jahrhunderts,
in der Rolle der bedrohlichen Kommandeuse Fräulein
von Nordeck zur Nidden, 1931 von Emilie Unda gespielt.
Geboren wird sie als Tochter des jüdischen
Kaufmanns Salomon Gift am 6.3.1898 in München.
Sie finanziert ihre Schauspielausbildung selbst
und bekommt nach einigen Wanderjahren ein Engagement
an den "Münchner Kammerspielen",
wo sie vor allem mit herben Frauenrollen Aufmerksamkeit
erregt. Sie lernt Erika und Klaus Mann kennen, die
drei gründen am 1.1.1933 das literarische Kabarett
"Die Pfeffermühle", wenig später
emigrieren alle drei nach Zürich. Dort ist
ihr Kabarett sehr erfolgreich. Durch ihre Heirat
mit dem Schriftsteller John Hampson-Simpson bekommt
sie einen englischen Pass. Ab 1937 arbeitet Therese
Giese am Schauspielhaus Zürich, dort spielt
sie 1941 bei der Uraufführung von Brechts "Mutter
Courage und ihre Kinder" die Titelrolle. Neben
Helene Weigel wird sie die weibliche Brechtinterpretin.
Sie spielt am neu gegründeten Berliner Ensemble
in Ost-Berlin und gehört ab 1950 wieder den
"Münchner Kammerspielen" an. Auf
der Leinwand ist sie u.a. in den Filmen "Herz
der Welt" (1952), "Ferien in Tirol"
(1956) und "Sturm im Wasserglas" (1960)
zu sehen. Sie stirbt am 3. März 1975 in München.
|