Ach, du fröhliche...

Spielfilm aus der DDR von 1962
Regie Günter Reisch
Drehbuch Hermann Kant, nach dem Bühnenstück "Und das am Heiligabend" von Vratislav Blazek
Musik Helmut Nier
Kamera Horst E. Brandt
Darsteller Walter Lörke - Erwin Geschonneck
Anne Lörke - Karin Schröder
Thomas Ostermann - Arno Wyzniewski
Großmutter - Mathilde Danegger
Karl Lörke - Günter Junghans
Peggy - Rosemarie Schelenz
Herr Ostermann - Herwart Grosse
Dr. Wolfram Klinkenhöfer - Walter Jupé
Hildegard Klinkenhöfer - Marianne Wünscher
und andere

Ein Jahr harter Arbeit liegt hinter dem Arbeitsdirektor Walter Lörke (Erwin Geschonneck). Seine letzte "gesellschaftliche Tätigkeit" ist die Rolle des Weihnachtsmannes bei der Kinderweihnachtsfeier seines Betriebes. Dann fährt er nach Hause, um im trauten Familienkreis das Fest der Liebe in Ruhe und Frieden zu feiern.
Doch seine beiden Kinder Anne (Karin Schröder) und Karl (Günter Junghans) haben offenbar eine etwas abwegige Vorstellung vom "Fest der Liebe". Denn statt die müden Beine unter dem festlichen Weihnachtstisch ausstrecken zu können, rennt Vater Lörke Stunden später durch die Winternacht, um sich Klarheit über seinen potenziellen Schwiegersohn Thomas Ostermann (Arno Wyzniewski) zu verschaffen.

Derselbe steht zwar positiv zu Fragen der Liebe und des Bevölkerungszuwachses, aber seine Haltung zum "Arbeiter-und-Bauern-Staat" ist negativ. Auf solch einen Familienzuwachs will der Genosse Lörke liebend gern verzichten. Er steht hinter diesem Staat, für den er gekämpft hat und scheint die Wahrheit über das Leben gepachtet zu haben. Aber nun ist er irritiert.

Er läuft durch den Weihnachtsabend und sucht Thomas' Vater (Herwart Grosse) auf und die Lehrerin (Karla Runkehl), die dafür verantwortlich ist, dass Thomas nicht studieren darf, um herauszufinden, was ihm widerfahren ist.
Ein DEFA-Jugendfilm, der in der Zeit zwischen Mauerbau und dem berüchtigtem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED 1965, in dessen Folge 12 DEFA-Filme verboten wurden, entstand, - und so wahrscheinlich nur entstehen konnte. Es ist die Zeit, als ehrlicher und genauer über die inneren Zustände in der DDR erzählt werden konnte.
So wird in Günter Reischs Film nach einem Drehbuch von Hermann Kant (das wiederum auf einem tschechischen Theaterstück basiert) zum ersten Mal ein junger Mann ernst genommen, der in der DDR politisch schlechte Erfahrungen gemacht hat und sich entsprechend kritisch gegenüber dem Staat verhält.

Gleichzeitig wird ein differenziertes Figurenensemble von Mitläufern und Ja-Sagern gezeichnet und der Generationskonflikt zwischen den "alten Genossen" und der jungen Generation thematisiert - beides verblüfft im Nachhinein in seiner politischen Direktheit.

Ansehenswert ist der Film auch wegen seiner hervorragenden Darsteller: Erwin Geschonneck, Mathilde Danegger, Marianne Wünscher, Arno Wyzniewski u.a.

Die Fortsetzung der Geschichte: "Wie die Alten sungen..." (DEFA, 1985)
   

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