|
Lieber
eine Hure als eine Sklavin: Diesen mütterlichen
Rat nimmt die hübsche venezianische Bauerntochter
Marcella sich zu Herzen und verlässt ihren
Verlobten Roberto, einen rechtschaffenen, aber armen
Fischhändler, der nur darauf wartet, sie unter
die Haube zu bringen. Marcella folgt dem Ruf eines
zwielichtigen Filmproduzenten nach Rom, doch statt
der ersehnten Filmrolle vermittelt er ihr einen
Job in einem Edelbordell. Marcella hat Glück
im Unglück, denn zu ihren Kunden zählt
ein populärer Komponist, der sie zum Schlagerstar
protegiert. Durch Zufall macht sie die Bekanntschaft
des Duce, der ihr Geliebter wird und ihr endlich
die Tore der römischen Filmstadt Cinecittà
öffnet. An der Seite des exzentrischen Leinwandcasanovas
Franco Denza avanciert Marcella rasch zur gefeierten
Diva im Genre der telefoni bianchi, der "weißen
Telefone". Doch die private Liaison zwischen
den beiden wird bald von Denzas Drogenexzessen überschattet.
Mit dem jähen Sturz Mussolinis endet auch die
steile Karriere Marcellas, die wieder auf der Straße
landet und sich eine Weile gemeinsam mit dem buckligen
Lumpensammler Adelmo durchschlägt. Doch wie
in ihren Filmen beschert das Leben ihr nach dem
Krieg ein Happy End an der Seite eines reichen Industriellen,
derweil das Schicksal ihren gebeutelten Ex-Verlobten
Roberto ins ferne Russland verschlägt.
"Telefoni Bianchi" ist eine gekonnte Mischung
aus Komödie und Melodram über den Aufstieg
einer Prostituierten, die als Lebenskünstlerin,
Glücksritterin und schließlich als Geliebte
Mussolinis zur gefeierten Filmdiva avanciert. Mit
leichter Hand entwirft Dino Risi ein ebenso unterhaltsames
wie nuanciert beobachtetes Sittenbild des italienischen
Faschismus, dessen operettenartige Theatralik sich
in der korrupten Scheinwelt des Films widerspiegelt.
|