Telefoni Bianchi

Italienischer Spielfilm von 1976
Regie Dino Risi
Drehbuch Ruggero Maccari, Dino Risi und Bernardino Zapponi
Musik Armando Trovajoli
Kamera Claudio Cirillo
Darsteller Marcella - Agostina Belli
Franco Denza -Vittorio Gassman
Adelmo - Ugo Tognazzi
Roberto - Cochi Ponzoni
Bruno - Renato Pozzetto
Gondran - Lino Toffolo
Industrieller - William Berger
und andere

Lieber eine Hure als eine Sklavin: Diesen mütterlichen Rat nimmt die hübsche venezianische Bauerntochter Marcella sich zu Herzen und verlässt ihren Verlobten Roberto, einen rechtschaffenen, aber armen Fischhändler, der nur darauf wartet, sie unter die Haube zu bringen. Marcella folgt dem Ruf eines zwielichtigen Filmproduzenten nach Rom, doch statt der ersehnten Filmrolle vermittelt er ihr einen Job in einem Edelbordell. Marcella hat Glück im Unglück, denn zu ihren Kunden zählt ein populärer Komponist, der sie zum Schlagerstar protegiert. Durch Zufall macht sie die Bekanntschaft des Duce, der ihr Geliebter wird und ihr endlich die Tore der römischen Filmstadt Cinecittà öffnet. An der Seite des exzentrischen Leinwandcasanovas Franco Denza avanciert Marcella rasch zur gefeierten Diva im Genre der telefoni bianchi, der "weißen Telefone". Doch die private Liaison zwischen den beiden wird bald von Denzas Drogenexzessen überschattet. Mit dem jähen Sturz Mussolinis endet auch die steile Karriere Marcellas, die wieder auf der Straße landet und sich eine Weile gemeinsam mit dem buckligen Lumpensammler Adelmo durchschlägt. Doch wie in ihren Filmen beschert das Leben ihr nach dem Krieg ein Happy End an der Seite eines reichen Industriellen, derweil das Schicksal ihren gebeutelten Ex-Verlobten Roberto ins ferne Russland verschlägt.

"Telefoni Bianchi" ist eine gekonnte Mischung aus Komödie und Melodram über den Aufstieg einer Prostituierten, die als Lebenskünstlerin, Glücksritterin und schließlich als Geliebte Mussolinis zur gefeierten Filmdiva avanciert. Mit leichter Hand entwirft Dino Risi ein ebenso unterhaltsames wie nuanciert beobachtetes Sittenbild des italienischen Faschismus, dessen operettenartige Theatralik sich in der korrupten Scheinwelt des Films widerspiegelt.
   

Copyright © Jürgen Oellerich - All Rights Reserved