Unser Boss ist eine Dame

Deutsch-italienisch-französischer Spieflilm von 1966
Regie Dino Risi
Drehbuch Ennio De Concini, Dino Risi, Adriano Baracco und Nino Manfredi
Musik Armando Trovajoli
Kamera Aldo Tonti
Darsteller Maggie - Senta Berger
Armandino Giradsole, "Dudu" - Nino Manfredi
Sciascillo - Mario Adorf
Concettina - Claudine Auger
Frank - Ralf Wolter
Don Vincenzo - Totò
Jack - Harry Guardino
Der Baron - Pinuccio Ardia
Der Capitano - Dante Maggio
Kardinal Aloisio - Giovanni Druti
Die Nonne - Solvi Stubing
und andere

Die amerikanische Gangsterchefin Maggie fliegt als Nonne verkleidet nach Neapel. Mühelos kann sie das moderne Einbruchswerkzeug ihrer Komplizen und Jack durch den Zoll schmuggeln. Maggie hat es auf den wertvollen Kirchenschatz des Heiligen Gennaro abgesehen, des Schutzpatrons der Neapolitaner. Sie möchte den Mafia-Paten Don Vincenzo als Partner gewinnen, doch er genießt den Lebensabend im gemütlichen Gefängnis und schickt sie zu Dudu. Der stadtbekannte Ganove entpuppt sich jedoch als selbstbewusster Gigolo.

Maggie kann ihn erst durch ihren weiblichen Charme als Komplizen gewinnen, zum Verdruss Concettinas, der temperamentvollen Geliebten Dudus. Dieser und sein schlagkräftiger Helfer Sciascillo verblüffen die Amerikaner durch ihre Traditionsliebe. Sie bitten den Heiligen Gennaro um Verständnis für ihren Raub und weihen zudem ihre weitläufigen Familien-Clans in den Coup ein, was den schweigsamen Profi Jack zur Verzweiflung treibt. Als es endlich losgeht, landen die Ganoven nicht beim Kirchenschatz, sondern versehentlich bei der Hochzeitsfeier von Don Vincenzos Enkelin. Der herzkranke Frank überlebt das rauschende Fest nicht und stirbt an einer Alkoholvergiftung. Nach diesem Rückschlag wagen Maggie und Dudu einen zweiten Versuch. Die Straßen der Altstadt sind wegen eines Schlager-Festivals im Fernsehen ausgestorben, als sich die Ganoven im Labyrinth der Kanalisation an den Schatz heranpirschen. Sie stehlen das Gold und die Juwelen, doch damit geht der Ärger erst richtig los.

Eine amüsante Gaunerkomödie mit Mario Adorf, "die sich wohltuenderweise selbst nicht allzu ernst nimmt" (Lexikon des Internationalen Films), und in der auf geistreiche Art amerikanische Perfektion und italienische Lässigkeit aufeinanderprallen. Mario Adorf, "der sympathischste Bösewicht des europäischen Kinos" (Cinema Filmlexikon), geboren in Zürich und in der Eifel aufgewachsen, feierte zunächst Erfolge auf der Bühne - u.a. an den Münchner Kammerspielen - , bevor er für die Leinwand entdeckt und zum Star wurde. Durch Rollen wie den unheimlichen Massenmörder in "Nachts, wenn der Teufel kommt" (1957) wurde er auf den Filmschurken festgelegt, aber er konnte auch in komödiantischen Rollen als klobiger Klotz mit Gemüt glänzen. Er hat mit allen wichtigen Regisseuren gearbeitet - von Schlöndorff bis Verhoeven, von Fassbinder bis Reinhard Hauff.

Der "späte" Mario Adorf der Achtziger- und Neunzigerjahre eroberte mit Vehemenz den Bildschirm ("Der große Bellheim", 1991) und entpuppte sich als grandioser Erzähler ("Der Mäusetöter"), Chansonnier und Entertainer. Weder sieht man ihm seine 75 Jahre () an, noch hat er sich zur Ruhe gesetzt, wie u.a. "Epsteins Nacht" (2002), der zweite Film der kleinen Reihe, beweist. Das Geheimnis seiner physischen Präsenz, seiner inneren Leuchtkraft hat er einmal in einem Interview verraten: "Man muss ein magnetisches Kraftfeld aufbauen. Und als Schauspieler in der Lage sein, dem Publikum seinen eigenen Herzschlag mitzuteilen. Ja, fast aufzudrängen".
   

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