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Die
junge Suzanne Simonin erlebt ein im Bürgertum
des 18. Jahrhunderts weit verbreitetes Frauenschicksal:
Als dritte Tochter einer vornehmen Familie, und
- wie ihr die Mutter erpresserisch "gesteht"
- Resultat eines Fehltritts, ist für Suzanne
keine Mitgift vorhanden. Suzanne, lebenslustig und
aufgeweckt, sträubt sich vehement gegen einen
Eintritt ins Kloster, doch die Mutter macht ihr
klar, dass sie nichts zu erwarten hat - weder kann
sie verheiratet werden noch ihren Lebensunterhalt
selbst verdienen. Unter diesem Druck und dieser
Ausweglosigkeit bleibt dem Mädchen gar keine
Wahl. Zunächst findet sie in der Äbtissin
Madame de Moni auch eine wohl gesonnene mütterliche
Freundin. Doch sie stirbt bald und wird ersetzt
durch die eifernde Saint-Christine. Diese - von
Diderot in seinem Roman als "von kleinem Charakter
und mit engstirnigem Kopf, der vom Aberglauben regiert
wurde" bezeichnet - lässt nichts unversucht,
ihre sadistischen Triebe an Suzanne auszulassen.
Es gelingt der Gepeinigten, einen Anwalt zu informieren
und um die Aufhebung des Gelübdes zu bitten.
Das bleibt ihr versagt, doch sie wird nach einer
erzbischöflichen Untersuchung in das Kloster
Saint-Eutorpe geschickt. Dort führt die Äbtissin
Madame de Chelles ein gänzlich unklösterliches
Regiment - mit gutem Essen, Musik und Sex. Madame
de Chelles erhebt Suzanne zu ihrer Favoritin und
bedrängt sie aufs Intimste. Das zunächst
ahnungslose Mädchen vertraut sich dem Beichtvater
an, der sie durch seine Drohungen in noch schwerere
Gewissensnöte bringt. Als er von dem jungen
Geistlichen Dom Morel abgelöst wird, der sich
nicht zu seinem Amt berufen fühlt, überredet
der Suzanne zur gemeinsamen Flucht ...
Jacques Rivette, einer der namhaften Regisseure
Frankreichs, verfilmte 1966 den gleichnamigen Roman
von Denis Diderot. Dessen Geschichte basiert auf
einem authentischen Prozess aus dem Jahre 1758,
in dem eine Nonne um die Aufhebung ihrer Gelübde
kämpfte. "Diderot, den die eindrucksvollen
Schilderungen selbst zu Tränen gerührt
haben sollen, bemerkte später 'es sei niemals
eine blutigere Satire über die Klöster
geschrieben worden'" (Kindlers Literaturlexikon).
Rivette hält sich mit seiner atmosphärisch
dichten, intensiv gespielten und gut fotografierten
Verfilmung eng an die Vorlage.
Die Titelrolle spielt Anna Karina, die am 22. (?)
9.2005 ihren 65. Geburtstag beging. Die gebürtige
Kopenhagenerin, die mit 18 Jahren in Paris eine
Modelkarriere beginnt, hat ihre große Zeit
im französischen Film der Sechzigerjahre. Sie
begegnet Jean-Luc Godard 1960, in dessen Film "Der
kleine Soldat" sie ihre erste große Filmrolle
spielt. Doch da der Film lange liegen bleibt, wird
sie mit Michel Devilles "Das Spiel der Lüge"
(1961) einem großen Publikum bekannt. 1961
heiratet sie Godard und spielt insgesamt in sechs
seiner Filme, u.a. in "Eine Frau ist eine Frau"
(1961) und "Die Geschichte der Nana S."
(1962/1963). Ab 1965 dreht sie in Italien, Deutschland
(u.a. mit Volker Schlöndorff und Rainer Werner
Fassbinder), England und den USA, erreicht aber
nicht wieder die frühere Popularität.
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