Die Nonne

Französischer Spielfilm von 1966
Regie Jacques Rivette
Drehbuch Jean Gruault und Jacques Rivette, nach dem Roman "La Religieuse" von Denis Diderot
Musik Jean-Claude Eloy
Kamera Alain Levent
Darsteller Suzanne Simonin - Anna Karina
Äbtissin Madame de Chelles - Liselotte Pulver
Äbtissin Madame de Moni - Micheline Presle
Schwester Saint-Christine - Francine Bergé
Dom Morel - Francisco Rabal
Madame Simonin - Christiane Lénier
Schwester Thérèse - Yori Bertin
Dienstmädchen bei Simonin - Francoise Godde
Monsieur Hébert - Jean Martin
Pater Séraphin - Marc Eyraud
und andere

Die junge Suzanne Simonin erlebt ein im Bürgertum des 18. Jahrhunderts weit verbreitetes Frauenschicksal: Als dritte Tochter einer vornehmen Familie, und - wie ihr die Mutter erpresserisch "gesteht" - Resultat eines Fehltritts, ist für Suzanne keine Mitgift vorhanden. Suzanne, lebenslustig und aufgeweckt, sträubt sich vehement gegen einen Eintritt ins Kloster, doch die Mutter macht ihr klar, dass sie nichts zu erwarten hat - weder kann sie verheiratet werden noch ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Unter diesem Druck und dieser Ausweglosigkeit bleibt dem Mädchen gar keine Wahl. Zunächst findet sie in der Äbtissin Madame de Moni auch eine wohl gesonnene mütterliche Freundin. Doch sie stirbt bald und wird ersetzt durch die eifernde Saint-Christine. Diese - von Diderot in seinem Roman als "von kleinem Charakter und mit engstirnigem Kopf, der vom Aberglauben regiert wurde" bezeichnet - lässt nichts unversucht, ihre sadistischen Triebe an Suzanne auszulassen.

Es gelingt der Gepeinigten, einen Anwalt zu informieren und um die Aufhebung des Gelübdes zu bitten. Das bleibt ihr versagt, doch sie wird nach einer erzbischöflichen Untersuchung in das Kloster Saint-Eutorpe geschickt. Dort führt die Äbtissin Madame de Chelles ein gänzlich unklösterliches Regiment - mit gutem Essen, Musik und Sex. Madame de Chelles erhebt Suzanne zu ihrer Favoritin und bedrängt sie aufs Intimste. Das zunächst ahnungslose Mädchen vertraut sich dem Beichtvater an, der sie durch seine Drohungen in noch schwerere Gewissensnöte bringt. Als er von dem jungen Geistlichen Dom Morel abgelöst wird, der sich nicht zu seinem Amt berufen fühlt, überredet der Suzanne zur gemeinsamen Flucht ...

Jacques Rivette, einer der namhaften Regisseure Frankreichs, verfilmte 1966 den gleichnamigen Roman von Denis Diderot. Dessen Geschichte basiert auf einem authentischen Prozess aus dem Jahre 1758, in dem eine Nonne um die Aufhebung ihrer Gelübde kämpfte. "Diderot, den die eindrucksvollen Schilderungen selbst zu Tränen gerührt haben sollen, bemerkte später 'es sei niemals eine blutigere Satire über die Klöster geschrieben worden'" (Kindlers Literaturlexikon). Rivette hält sich mit seiner atmosphärisch dichten, intensiv gespielten und gut fotografierten Verfilmung eng an die Vorlage.

Die Titelrolle spielt Anna Karina, die am 22. (?) 9.2005 ihren 65. Geburtstag beging. Die gebürtige Kopenhagenerin, die mit 18 Jahren in Paris eine Modelkarriere beginnt, hat ihre große Zeit im französischen Film der Sechzigerjahre. Sie begegnet Jean-Luc Godard 1960, in dessen Film "Der kleine Soldat" sie ihre erste große Filmrolle spielt. Doch da der Film lange liegen bleibt, wird sie mit Michel Devilles "Das Spiel der Lüge" (1961) einem großen Publikum bekannt. 1961 heiratet sie Godard und spielt insgesamt in sechs seiner Filme, u.a. in "Eine Frau ist eine Frau" (1961) und "Die Geschichte der Nana S." (1962/1963). Ab 1965 dreht sie in Italien, Deutschland (u.a. mit Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder), England und den USA, erreicht aber nicht wieder die frühere Popularität.
   

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