Liebe Jelena Sergejewna

Spielfilm aus der UdSSR von 1987
Regie Eldar Rjasanow
Drehbuch Ljudmila Rasumowskaja und Eldar Rjasanow
Musik Sergej Skripka
Kamera Wadim Alissow
Darsteller Jelena Sergejewna - Marina Nejolowa
Ljalja - Natalja Schtschukina
Witek - Fjodor Dunajewski
Pascha - Dmitri Marjanow
Wolodja - Andrej Tichomirow
Ärgerlicher Nachbar - Eldar Rjasanow
und andere

Vier Abiturienten stehen vor der Wohnungstür ihrer Mathematiklehrerin Jelena Sergejewna und gratulieren ihr zum Geburtstag. Sie überschütten die erstaunte Frau mit Komplimenten und rühren sie zu Tränen. Doch wie es sich herausstellt, treibt sie nicht Verehrung zur verhärmten, allein stehenden Frau, sondern das am selben Tag geschriebene Mathe-Abitur. Witek hat ein leeres Blatt abgegeben, Ljalja, Pascha und Wolodja wollen die Noten verbessern. Der ersehnte Studienplatz steht auf dem Spiel. Sie haben die fehlerlosen Arbeiten in der Tasche und wollen sie austauschen. Jelena Sergejewna soll ihnen kurz den Schlüssel zum Schulsafe überlassen. Was sie zunächst fast beiläufig formulieren, eskaliert zunehmend, denn Jelena Sergejewna lehnt das Ansinnen erst fassungslos, dann immer entschiedener ab. Sie fordert sie zum Verlassen der Wohnung auf, doch ihr Anführer Wolodja zieht den Schlüssel ab und Witek durchschneidet das Telefonkabel.

Im Verlauf der Nacht prallen die hehren Moralvorstellungen der Lehrerin ("Glück ist arbeiten für das Wohl des Volkes") und die Ansichten der Gymnasiasten aufeinander. Die Situation erreicht eine Eigendynamik, die in ihrer Aggression alle Beteiligten wegschwemmt. Zurück bleibt eine verwüstete Wohnung, eine weinende Ljalja und Jelena Sergejewna, die sich in ihrem Bad eingeschlossen hat.

Ein überaus berührendes Kammerspiel, das konzentriert und pointiert den moralischen Zustand der sowjetischen Gesellschaft kurz vor dem Zusammenbruch des Sozialismus beleuchtet. Die Lehrerin, der die jungen Leute vorwerfen, "eine Phrasen dreschende Maschine" zu sein, steht für die hehren, aber nie eingelösten Ideale des Kommunismus. Die vier Schüler, menschlich wie sozial differenziert angelegt, stehen für die junge Generation, die sich nicht mehr mit hohlen Phrasen abspeisen lassen will und die für die Lehrerin "auf Vorteil bedachte, herzlose, grausame Egoisten" sind. Ein Zusammenprall von Wertvorstellungen, deren Rigorosität für sozialistische Verhältnisse erstaunlich ist. Inszeniert hat ihn Eldar Rjasanow der u.a. mit den Filmen "Die Garage" und "Bahnhof für zwei" als Moralist und Kritiker des Systems Aufsehen erregte.
   

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