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Der erste Kontakt mit der amerikanischen Strafjustiz
beginnt für Schwester Helen Prejean ganz harmlos
- mit einem Brief. Als sie auf das Schreiben des
zum Tode verurteilten Häftlings Matthew Poncelet
antwortet, ahnt die katholische Nonne noch nicht,
welcher Alptraum sie erwartet. Selbst in geordneten
Verhältnissen behütet und umsorgt aufgewachsen,
betritt Schwester Helen plötzlich eine ihr
fremde Welt. Einen Mikrokosmos, erfüllt von
Grauen und Furcht. Bei ihrem ersten Besuch im Staatsgefängnis
von New Orleans erschrickt sie angesichts der schier
unmenschlichen Bedingungen unter denen die Häftlinge
leiden. Viel schwerer jedoch trifft sie die Leichtfertigkeit,
mit der hier über Leben und Tod entschieden
wird. Scheinbare Teilnahmslosigkeit überall:
bei den Offiziellen, den Politikern und Richtern,
bis hin zu den Wärtern.
Dennoch gibt sie nicht auf. Sie lernt den Menschen
- den leidenden und verängstigten Menschen
- hinter der Maske des eiskalten und abgebrühten
Mannes kennen, der behauptet, unschuldiges Opfer
eines Justizirrtums zu sein. Sie nimmt Kontakt zu
den Familien der Opfer auf, um deren Situation zu
verstehen und ihnen die Situation des zum Tode Verurteilten
verständlich zu machen. Es ist ein schwerer
Weg, den Helen Prejean und Matthew Poncelet gehen.
Angst und Verzweiflung, Wut und Trauer, Freude und
Scham wechseln sich ab. Die Schwester sieht sich
urplötzlich mit allen Emotionen gleichzeitig
konfrontiert. Und damit ruht eine Last auf ihren
Schultern, die sie für immer verändern
wird. Den Kampf um die Aufhebung des Urteils verliert
sie, die Gnadengesuche werden abgelehnt. Poncelet
erleidet den Tod durch Gift. Bis zur letzten Minute
ist Helen Prejean bei ihm, sie hilft ihm, auch als
er ihr in seiner letzten Stunde seine Schuld gesteht.
Tim Robbins erzählt seinen Film nach den Erinnerungen
der Nonne Helen Prejean im Stil des US-amerikanischen
Dokudramas. Das Multitalent Tim Robins (geb. 1958)
- er ist Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur
und Produzent in einer Person - und seine Hauptdarstellerin,
die wandlungsfähige Charakterdarstellerin Susan
Sarandon (geb. 1946), lernten sich 1987 bei den
Dreharbeiten zu "Annies Männer" kennen,
sind seitdem ein Paar und haben inzwischen zwei
Söhne. Die beiden wurden erst im August 2002
beim Theaterfestival in Edinburgh in einem Zweipersonendrama
zur Katastrophe des 11. September mit stehenden
Ovationen gefeiert. "Dead Man Walking"
ist bis jetzt ihre zweite und letzte gemeinsame
Kinoarbeit. Robbins, Sarandon, Sean Penn und ihr
Film bekamen Preise über Preise. So gewann
Susan Sarandon den Oscar als beste Hauptdarstellerin,
Penn und Robbins wurden immerhin nominiert.
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